Wirtschaft : Wirtschaft nach dem Terror: Berg- und Talfahrt an den Börsen

Kriegs- und Rezessionsängste haben am Freitag an den Aktienmärkten zeitweise Panik ausgelöst. Die Kurse stürzten zunächst dramatisch ab. Bis zum Abend erholte sich der Deutsche Aktienindex Dax mit einem Minus von 0,5 Prozent. Eine Achterbahnfahrt legten die Kurse am Neuen Markt hin, wo der Nemax 50 um 8,7 Prozent auf 683 Punkte fiel. Die Wall Street eröffnete mit starken Verlusten. Bis Börsenschluss kletterte der Dow Jones wieder auf 8253,32 Punkte, ein Minus von 1,47 Prozent.

Verschärft wurde die Krise noch durch den dreifachen Verfallstermin bei Termingeschäften, den so genannten Hexensabbat. Im freien Fall war der Dax vorübergehend um rund sieben Prozent auf gut 3500 Punkte, den niedrigsten Stand seit Anfang November 1997, abgestürzt. Seit den Anschlägen in den USA hat der Dax rund 147 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung oder mehr als 20 Prozent des Indexstandes verloren. Der Index der wichtigsten Wachtumswerte, der Nemax 50, verlor zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent auf ein Rekordtief von 662 Euro. Auch an den meisten europäischen Börsen fielen die Kurse am Freitag um vier bis fast sieben Prozent.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA In Tokio waren die Kurse zuvor ebenfalls stark gefallen. Im Schlepptau der schwachen Wall Street fiel der Nikkei für 225 führende Werte auf 9554,99 Punkte, 230,17 Zähler oder 2,4 Prozent weniger als am Vortag. Der breiter angelegte Topix sackte um 2,6 Prozent oder 26,72 Punkte auf 998,20 Stellen. Investoren trennen sich im großen Stil von Autoaktien.

"Das sind schon panikartige Verkäufe", sagte ein Händler in Frankfurt (Main). In normalen Zeiten wäre beim aktuellen Kursniveau ein starkes Kaufinteresse vorhanden. "Aber das sind keine normalen Zeiten", sagte ein Börsianer. Der Markt sei weiterhin von einer starken Unsicherheit der Anleger geprägt. "Die Anschläge sind noch in den Köpfen der Marktteilnehmer", sagte ein Händler. "Der drohende Vergeltungsschlag der USA nach den Terroranschlägen muss effektiv sein, ansonsten hält die Unsicherheit an."

Nach wie vor sehen die Börsianer in Frankfurt kein Land. Allenthalben sind Makler und Börsianer jedoch überzeugt, dass sich die Kurse mittlerweile meilenwert von der ökonomischen Wirklichkeit entfernt haben. "Das hat nichts mehr mit der Realität zu tun", sagt Fiedel Helmer, Börsenchef des Bankhauses Hauck & Aufhäuser. Der Kurs der Lufthansa-Aktie von weniger als neun Euro spiegelt mittlerweile nicht einmal mehr den Buchwert - also das Vermögen abzüglich der Schulden - wider. "Der liegt bei 10,50 Euro", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Ähnlich sieht es bei Daimler-Chrysler aus, wo an der Börse derzeit lediglich das Eigenkapital bewertet wird. Bei VW liege der Börsenwert nur noch bei elf Prozent des Umsatzes. "Das hatten wir zuletzt in der Krise von VW 1992", sagt Pieper. Ein anderer Börsianer stellt die sieben Milliarden Euro, die RWE für den Kauf inklusive Schulden des US-Unternehmens American Waters bezahlt, den derzeitigen Börsenkursen in Deutschland gegenüber. "Dafür bekäme man jetzt vier Dax-Werte."

Der Handel an der Aktienbörse in Amsterdam konnte am Freitag erst mit mehr als dreistündiger Verspätung begonnen werden. Eine technische Störung war der Grund dafür, dass Aktien und Optionen erst gegen 12 Uhr 30 gehandelt werden konnten. Die Störung habe nichts mit den Kursstürzen an den internationalen Börsen als Folge der Anschläge in den USA zu tun gehabt, sagte ein Sprecher. Die Börse in Amsterdam war in diesem Jahr wiederholt von technischen Störungen betroffen worden.

Das Gebäude der Londoner Börse musste dagegen wegen einer Bombendrohung evakuiert werden. Der Handel sei nicht gestört worden, weil er elektronisch abgewickelt werde und das Gebäude der Börse lediglich der Verwaltung diene, hieß es.

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