Wirtschaft : Wirtschaft nach dem Terror: DIW-Chef hält Rezessionsängste für verfrüht

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Die Konjunkturexperten sind sich noch nicht einig darüber, ob und wie stark das Wirtschaftswachstum in Folge der Terroranschläge gegen die USA gebremst wird. Nach den vom Kieler Institut für Weltwirtschaft einen Tag vor dem 11. September abgeschlossenen Prognosen würde sich die Konjunktur in den meisten Ländern ohnehin langsamer erholen als noch zur Jahresmitte erwartet.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Die Analysten von Morgan Stanley halten es für möglich, dass die Weltwirtschaft nach den Anschlägen in diesem Jahr nur um 1,5 Prozent statt wie bisher angenommen um 2,1 Prozent wächst. Ökonomen der WestLB schließen eine Rezession in den USA und weltweit nicht mehr aus, falls die Baisse an den Aktienmärkten anhält. EU-Währungskommissar Pedro Solbes geht davon aus, dass das Wachstum der Euro-Zone 2001 wohl nicht mehr die von der EU-Kommission angepeilten zwei Prozent erreicht.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, bezeichnete Rezessions-Befürchtungen hingegen als verfrüht. Er sagte, die unmittelbaren ökonomischen Effekte des Anschlags sollten nicht überschätzt werden. Absehbar seien steigende Verteidigungsausgaben, dass der Tourismus leiden könne und die Globalisierung behindert werde. "Das wird das Klima für eine prosperierende weltwirtschaftliche Entwicklung auf Dauer schädigen", sagte Zimmermann. Bundesbankpräsident Ernst Welteke ist zuversichtlich, dass der volkswirtschaftliche Schaden begrenzt sein werde.

Die Chefökonomin des US-Instituts Conference Board, Gail Fosler, glaubt, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten nur verschoben, nicht unterbunden werden. Stimulierend werde die erhöhte Nachfrage nach Sicherheitstechnik wirken, sagte sie der "Zeit". Ähnlich argumentierte der US-Wissenschaftler Rüdiger Dornbusch. Gleichwohl befinden sich die USA und die Weltwirtschaft nach Auffassung des Conference Board "in einem Stadium erhöhter Verwundbarkeit". Die Aussicht auf eine Konjunkturerholung würde in die Zukunft verschoben.

OECD-Chefökonom Ignazio Visco schließt negative Auswirkungen im laufenden Quartal nicht aus. Risiken könnten von steigenden Ölpreisen ausgehen. Der Ölpreis ist wegen der Sorge vor möglichen Vergeltungsschläge der USA bereits gestiegen.

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