Wirtschaft : Wirtschaft schrumpft im Frühjahr

Export geht im April zurück – doch der schwächere Euro-Kurs könnte bald wieder für Besserung sorgen

Carsten Brönstrup

Berlin - Der Export, die bislang wichtigste Stütze der deutschen Wirtschaft, ist im April leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum März verkauften die deutschen Unternehmen saisonbereinigt 0,4 Prozent weniger Waren ins Ausland, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Wirtschaftsforscher befürchten nun, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) derzeit schrumpft und für das zweite Quartal 2005 unter dem Strich ein Minus stehen könnte. Das erwartete leichte Wachstum für das gesamte Jahr haben die Experten aber noch nicht abgeschrieben.

Der Außenhandel im Frühjahr dürfte das Wachstum damit geschwächt haben. Denn einerseits verkaufte die Wirtschaft weniger ins Ausland, andererseits stieg hier zu Lande die Nachfrage nach Importgütern. Der Überschuss der deutschen Handelsbilanz – Export abzüglich Import – verringerte sich so auf 12,6 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im März waren es noch 16,3 Milliarden Euro gewesen.

Der Export ist seit langem der einzige Wachstumsmotor in Deutschland. Im ersten Quartal hatte allein er dafür gesorgt, dass das BIP um 1,0 Prozent zum Vorquartal gewachsen war, so stark wie seit 2001 nicht mehr. Die Binnennachfrage, also die Investitionen der Unternehmen sowie der Konsum von Verbrauchern und Staat, hatte dagegen so gut wie keinen Beitrag zum Wachstum geleistet. „Wenn jetzt auch noch der Export schwächelt, wird die Wirtschaft im zweiten Quartal ins Minus rutschen“, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf. Das starke Wachstum zwischen Januar und Ende März sei nur ein „Strohfeuer“ gewesen, das vorwiegend auf statistischen Sondereffekten beruht habe. Auch Ulrich Kater, Chefökonom der Deka-Bank, sagte, es sehe „schlecht aus für das zweite Quartal“. Er erwartet ein Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Jahresauftakt.

Allerdings dürfte es sich nur um einen vorübergehenden Rückschlag für die Konjunktur handeln, findet Kater. Der Anstieg des Imports im April sei ein gutes Zeichen. „Das könnte auf eine beginnende Belebung der Binnennachfrage hindeuten“, sagte er. Nun besteh die Möglichkeit, dass die Binnennachfrage im zweiten Halbjahr das Wachstum stärker stützt. Auch mehr Klarheit in der politischen Lage nach der Bundestagswahl könnte dann die Kauflaune der Verbraucher steigern.

Unterstützung bekommt die Wirtschaft auch durch den gesunkenen Euro-Wechselkurs. Seit den Höchstständen von mehr als 1,36 Dollar zu Jahresbeginn hat sich die Währung auf 1,22 Dollar abgeschwächt. Dies „sollte die deutschen Ausfuhren weiter stärken“, erwartete auch Anton Börner, Chef des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels. Bei einem niedrigeren Euro-Kurs können die deutschen Firmen in Übersee zu geringeren Preisen verkaufen. Deka-Mann Kater erwartet, dass es zwei bis drei Monate dauert, bis der niedrigere Euro-Kurs die Ausfuhren beflügelt. Für knapp die Hälfte der Exporte spielen allerdings Währungsschwankungen keine direkte Rolle, da sie in andere Euro-Länder gehen. Insgesamt, so Kater, könne die deutsche Wirtschaft 2005 um 0,8 Prozent wachsen, auch, weil die Entwicklung in den Regionen, in die Deutschland exportiere – Osteuropa oder Nordamerika – weiterhin robust sei.

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