Wirtschaft : Wirtschaft sieht wenig Wachstumschancen

DIHK nimmt Prognosen deutlich zurück / Dresdner Bank fordert Senkung der Leitzinsen

-

Berlin/Frankfurt (Main) (dr/ro). Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) hat seine Wachstumsprognosen für die Jahre 2002 und 2003 drastisch zurückgenommen. „Wir senken die ursprüngliche Erwartung von 0,5 Prozent auf eine schwarze Null“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben bei der Vorstellung der Ergebnisse seiner Konjunkturumfrage am Mittwoch in Berlin. „Hoffnungen auf einen Aufschwung in diesem Jahr haben sich somit als trügerisch erwiesen“, sagte Wansleben.

Für das Jahr 2003 geht der DIHK, die Dachorganisation der Handelskammern in Deutschland, nur noch von einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent aus. Bislang hatte der Wirtschaftsverband mit mehr als zwei Prozent gerechnet.

„Wir vermeiden das Wort Rezession, um keine Panik zu verbreiten“, beschrieb Wansleben die dramatische Verschlechterung der Stimmung in den Unternehmen. Im Winter müsse sich Deutschland auf eine konjunkturelle Durststrecke einrichten.

Schon vor der Bundestagswahl habe die Bewertung der Geschäftslage durch die Unternehmen einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Umfrage zeige, dass die Unternehmen für die kommenden Monate mit einer weiteren Verschlechterung rechneten. Die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen werde 2002 knapp über vier Millionen liegen. Im kommenden Jahr werde die Zahl um weitere 150000 Arbeitslose steigen. Nur noch neun Prozent der befragten 25000 Unternehmen wollten ihr Personal aufstocken. Jedes dritte Unternehmen will Stellen abbauen.

Die kraftlose Binnennachfrage bleibe der Schwachpunkt der deutschen Konjunktur, stellt der DIHK fest. Impulse erwarteten die Industrieunternehmen 2003 vor allem vom Handel mit den EU-Ländern und China.

Dass sich das Investitions- und Beschäftigungsklima nach der Wahl dramatisch verschlechtert hat, belegt auch der Handelsblatt Business Monitor für Oktober, eine repräsentative Umfrage unter Führungskräften. Beide Indizes sanken seit 1999 auf Negativrekordwerte, berichtet das Handelsblatt. Im Oktober geben nur noch acht Prozent (minus 14 Punkte) der Top-Manager an, ihr Unternehmen werde die Investitionen in den kommenden Monaten erhöhen, 43 Prozent (plus 19) wollen sie hingegen zurückfahren. 48 Prozent (minus vier) konstant halten. Vor allem die kleinen Firmen (100 bis 500 Beschäftigte) neigen zur Zurückhaltung.

Die Investitionszurückhaltung könnte dramatische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, schreibt das Handelsblatt weiter. Nur noch neun Prozent der Firmen (minus acht Punkte) wollen nach den Angaben ihrer Führungskräfte demnächst vermehrt Personal einstellen. 54 Prozent (plus 20) erwarten einen Abbau der Beschäftigung.

Ein wenig zuversichtlicher äußerten sich am Mittwoch nur die Volkswirte der Dresdner Bank. Das Wirtschaftswachstum werde sich nach real 0,4 Prozent im laufenden Jahr im kommenden Jahr auf 1,5 Prozent erhöhen. Eine Belastung seien allerdings die Kursstürze an den Börsen, die zu einer „katastrophalen Stimmung“ geführt hätten, sagte Dresdner-Chefvolkswirt Michael Heise.

Heise betont allerdings auch, dass derzeit die Stimmung schlechter sei als die tatsächliche Lage. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte seiner Meinung nach möglichst rasch die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt auf 2,75 Prozent senken. „Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Stimmungslage."

Im Kriegsfall droht Rezession

Sollte es zu einem längeren Konflikt im Irak kommen, schließen die Volkswirte der Dresdner Bank im nächsten Jahr auch eine Rezession in Deutschland nicht aus. Dann könne der Ölpreis zeitweise auf über 40 Dollar steigen. Und dann wäre auch die derzeitige Prognose hinfällig. Für sie unterstellt die Bank einen nur kurzen Konflikt und einen Ölpreis von höchstens 35 Dollar, der sich im Schnitt im nächsten Jahr auf 25 Dollar einpendelt.

Enttäuscht zeigt sich Heise über die Koalitionsvereinbarung. Es seien keine wirklichen Reformen vereinbart worden. Die Beschlüsse könnten das Wachstum im nächsten Jahr um 0,3 Prozentpunkte drücken. Die Dresdner Bank betont zwar, dass Deutschland in Europa beim Wachstum Schlusslicht sei. Die deutsche Exportwirtschaft sei aber nach wie vor gut aufgestellt. Entscheidend für die enttäuschende Verfassung der deutschen Konjunktur sei der private Verbrauch. Er werde 2002 mit einem Minus von 0,3 Prozent zum ersten Mal seit 1982 schrumpfen, weil die Einkommen nicht stiegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben