Wirtschaft : Volkswagen dreht auf

Volkswagen startet mit hohem Tempo ins Jahr 2011: Der Konzern konnte seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr verdreifachen. Experten erwarten, dass die Wolfsburger dieses Jahr mehr als acht Millionen Autos verkaufen. Nur General Motors verkauft mehr.

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Der Fahrzeug-Multi. Der Volkswagen-Konzern feiert Erfolge mit der Kernmarke VW, der Premiumtochter Audi und den Beteiligungen an Porsche und Scania.
Der Fahrzeug-Multi. Der Volkswagen-Konzern feiert Erfolge mit der Kernmarke VW, der Premiumtochter Audi und den Beteiligungen an...Foto: REUTERS

Berlin - Volkswagen bricht einen Rekord nach dem anderen und ist mit hohem Tempo ins Jahr 2011 gestartet. Erwartet wird, dass der Wolfsburger Automobilhersteller dieses Jahr mehr als acht Millionen Autos verkauft und Toyota – derzeit Nummer eins in der Welt – überholt. Für die Weltspitze reicht es dennoch nicht: der US-Wettbewerber General Motors (GM) verkauft noch mehr Autos.

Allein in den Monaten Januar, Februar und März verdiente der VW-Konzern mit seinen neun Marken zwei Milliarden Euro mehr als im ersten Quartal 2010 – insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Der Umsatz sprang um mehr als 30 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte wurden in einem Quartal mehr als zwei Millionen Autos weltweit verkauft. Am schnellsten wächst nach wie vor der chinesische Markt, wo VW längst mehr Autos verkauft als in Deutschland. Allein die chinesischen Joint-Venture-Gesellschaften hätten ein anteiliges operatives Ergebnis von 557 Millionen Euro erwirtschaftet, die im operativen Konzerngewinn von 2,9 Milliarden Euro noch nicht enthalten seien, teilte VW am Mittwoch mit. Angetrieben wurde der Autokonzern von der Premiummarke Audi. Die Ingolstädter Tochter steuerte mit einem operativen Ergebnis von 1,11 Milliarden Euro – nach 478 Millionen Euro im Vorjahr – erneut den größten Teil zum operativen Konzerngewinn bei. Audis Umsatz stieg zum ersten Mal in drei Monaten über die Marke von zehn Milliarden Euro – um gut 27 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro.

Aber auch die Modelle der Kernmarke VW waren sehr gefragt. Kunden müssen teilweise mehr als ein halbes Jahr auf einen Polo, Tiguan, Touareg, Jetta, Passat oder Sharan warten, weil VW mit der Produktion nicht nachkommt. Die Marke VW konnte ihr operatives Ergebnis mehr als verdoppeln – von 416 Millionen auf 1,06 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg von 18,6 auf 23 Milliarden Euro. Verluste schreiben weiter die Marken Seat und Bentley, beide konnten das Minus aber deutlich reduzieren.

NordLB-Autoanalyst Frank Schwope sprach in einer Kurzstudie von „sagenhafter Stärke“, die VW an den Tag lege. „Im laufenden Jahr dürften weitere Rekordwerte erzielt werden.“ Doch das Wachstum des Herstellers ist nicht ohne Risiko. Der Volkswagen-Konzern stehe vor „schweren Integrations- bzw. Fusionsaufgaben sowohl bei MAN/Scania als auch bei Porsche, die vom operativen Geschäft ablenken können“. Die künftig zehnte Volkswagen-Marke Porsche ist ebenfalls mit hohem Tempo unterwegs. Im Auftaktquartal verdoppelte der Sportwagenbauer sein operatives Ergebnis auf 496 Millionen Euro. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 2,28 Milliarden Euro zu.

Auch im Nutzfahrzeuggeschäft verdient VW mit – über maßgebliche Beteiligungen an den Herstellern Scania und MAN, die nach dem Willen von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch künftig zusammen unter das VW-Dach rücken sollen. Scania gelang in den ersten drei Monaten ein Gewinnsprung um 57 Prozent. Ein schlechter als erwarteter Auftragseingang verschreckte aber Anleger. Die Aktie gab 1,1 Prozent nach. Die Papiere des Wettbewerbers Volvo – weltweit Nummer zwei hinter Daimler – legten hingegen 2,6 Prozent zu. Volvo steigerte den Betriebsgewinn im ersten Quartal um mehr als das Doppelte. Die Bestellungen legten um 40 Prozent zu. Zugleich rechnet der Konzern auf Jahressicht damit, mehr Lkws seiner Marken Renault, Mack, UD Trucks und Eicher zu verkaufen. Zudem erhöhte das Unternehmen seine Absatzprognose für Europa und Nordamerika.

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