Wirtschaft : Wirtschaft warnt vor Russland-Schelte

Ostausschuss würdigt Reformschritte

Bernd Hops

Berlin - Wirtschaftsvertreter warnen davor, Russland in der aktuellen Diskussion über die starke Abhängigkeit als Energielieferant vor den Kopf zu stoßen. Dazu gehöre auch die Schuldfrage beim Gasstreit mit der Ukraine im Januar. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA), sagte am Mittwochabend in Berlin, es werde zu einseitig über Russland gesprochen. „Die Fortschritte in dem Land werden nicht balanciert bewertet. Die russische Befindlichkeit ist derzeit stark getroffen, allerdings noch mehr durch die Kritik aus den USA als aus Deutschland.“ Bisher würden die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen dadurch jedoch nicht belastet, sagte Mangold.

Seit der schweren Krise von 1998 hat sich die russische Wirtschaft kräftig erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist etwa im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent gewachsen. Das BIP pro Kopf (9800 Dollar) liegt derzeit weit über dem von Indien und China und anderen wichtigen Schwellenländern wie Brasilien. Die wachsende Attraktivität des russischen Marktes zeigt sich auch daran, dass es im vergangenen Jahr erstmals keinen Nettoabfluss von privatem Kapital ins Ausland mehr gab. Zuvor hatten viele Russen ihr Geld lieber jenseits der Grenze angelegt. Schwachpunkte sind aber nach Einschätzung von OA-Chef Mangold die immer noch „überbordende Bürokratie“ und die Korruption. Auch die bisher geplanten Einschränkungen für ausländische Investitionen in bestimmte Branchen seien bedenklich.

Deutschland ist der wichtigste Außenhandelspartner. Mittlerweile liegt das Handelsvolumen bei fast 40 Milliarden Euro im Jahr. Von deutschen Firmen werden vor allem Maschinen exportiert, die die russische Wirtschaft dringend zur Modernisierung braucht. OA-Chef Mangold schätzte den Rückstand bei den Produktionsmitteln der Firmen in Russland auf zehn bis 20 Jahre im Vergleich zu westlichen Industrieländern. „Aber in den vergangenen Jahren gab es da schon große Fortschritte.“

Deutschland kauft Russland insbesondere Öl und Gas ab. Sie stehen für 73 Prozent des Imports. Der Chef des deutschen Gaskonzerns Eon Ruhrgas, Burckhard Bergmann, warnte, dabei einseitig die deutsche Abhängigkeit vom russischen Lieferanten zu betonen. Sein Unternehmen zum Beispiel setze auch auf andere Länder wie Norwegen, um den richtigen Mix hinzubekommen. Das werde auch von russischer Seite akzeptiert. „Durch das Pipelinenetz gibt es außerdem eine gegenseitige Abhängigkeit, die man besser als Partnerschaft beschreiben sollte“, sagte Bergmann. Wenn einer der beiden Partner dann das gemeinsame Verhältnis diskutiert, wie es Deutschland derzeit tue, sei klar, dass sich der zweite Partner auch nach anderen Möglicheiten umsehe. OA-Chef Mangold zeigte sich auch erstaunt, dass die jüngste Reise des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit 800 Wirtschaftsvertretern nach China, bei der auch wichtige Verträge über Energielieferungen vereinbart wurden, in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Davon abgesehen ist für deutsche Unternehmen Russland einer der lukrativsten Märkte – etwa für den Handelskonzern Metro, der dort seit 2001 etwa 700 Millionen Euro investiert hat. Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber sagte: „Es ist ein profitables Land. Wenn wir die Rendite in Deutschland hätten, wären wir nicht ganz unfroh.“

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