Wirtschaft : Wirtschaft wieder optimistischer

Konjunkturforscher: Exporte sind Aufschwungs-Motor / Arbeitslosigkeit bleibt hoch

BERLIN/MÜNCHEN (rtr/dpa).Der Exportboom bringt die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung führender Konjunkturforscher zunehmend in Schwung.Die Industrie habe im Juli mit Ausnahme der Bauwirtschaft eine deutlich verbesserte Geschäftslage verzeichnet, erklärte das Ifo-Institut am Mittwoch.Auch die Fachleute der Deutschen Bank sagten, die Wirtschaft gewinne an Fahrt.Allerdings sei der Aufschwung nicht stark genug, um die hohe Arbeitslosigkeit spürbar zu verringern.Aus diesem Grund dürften nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom privaten Verbrauch keine Konjunkturimpulse ausgehen.Bundeskanzler Helmut Kohl sagte anläßlich der Grundsteinlegung für das "Haus der Wirtschaft" am Mittwoch in Berlin, das Wirtschaftsklima habe sich deutlich verbessert.Kritik an der Bundesregierung kam vom Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, der erklärte, die Wirtschafts- und Finanzpolitik sei derzeit "ein bißchen außer Rand und Band".Für das Wahljahr 1998 erwarte er positive Signale aus der Wirtschaft.Die Weltwirtschaft wachse schneller als erwartet.Dies löse aber nicht die Strukturprobleme mit Blick auf neue Arbeitsplätze. Das Münchener Ifo-Institut erklärte, die deutsche Wirtschaft gewinne aufgrund steigender Exporte in wichtigen Branchen an Fahrt.In der westdeutschen Industrie habe die Mehrzahl der Betriebe in der Juli-Umfrage die Geschäftslage als gut bewertet.Zudem blickten die Firmen deutlich optimistischer in die Zukunft als noch im Juni.Dies stütze sich nicht zuletzt auf den Export.Auch in Ostdeutschland hätten die Industriebetriebe sowohl Geschäftslage als auch Aussichten positiver eingeschätzt als noch im Vormonat. Bundeskanzler Kohl bekräftigte die Einschätzung der Regierung, daß sich das Tempo des Wirtschaftswachstums beschleunigt."Ich brauche jetzt nicht zu streiten, ob die Zuwachsrate dieses Jahr zweieinhalb oder zweieindrittel ist.Für nächstes Jahr sind die Zahlen eindeutig besser", sagte er. Die Deutsche Bank Research, Analysetochter des größten deutschen Geldinstituts, erklärte, der Schwung der deutschen Industrie werde im allgemeinen zu Hause und im Ausland unterschätzt.Die Exporte als Konjunkturmotor dürften in diesem Jahr um zehn Prozent und 1998 um 8,2 Prozent zunehmen.1996 hatte die deutsche Exportwirtschaft ihre Ausfuhren um 4,9 Prozent auf den Rekordwert von 784,3 Mrd.DM gesteigert.Auch die Investitionen dürften spürbar zulegen.Der private Verbrauch werde nach dem Plus von 1,3 Prozent 1996 in diesem Jahr 1997 jedoch lediglich um 0,9 Prozent zunehmen, erklärten die Volkswirte.1998 würden die Konsumausgaben dann wieder um 1,5 Prozent steigen.Insgesamt sagten die Deutsche-Bank-Fachleute für 1997 ein Wachstum von 2,2 Prozent und eine Steigerungsrate von 3,0 Prozent für nächstes Jahr voraus.Die Arbeitslosigkeit werde 1998 aber nur gringfügig um einZehntel Prozent auf 11,1 Prozent sinken. Nach Einschätzung des DIW tragen steigende Arbeitslosigkeit und mäßige Lohnerhöhungen dazu bei, daß die Konsumflaute anhält.Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften kaum steigen, so das DIW.Die Wirtschaftsforscher forderten die Regierung auf, mit einer Steuer- und Rentenreform die Haushalte zu entlasten und so das Konsumklima zu verbessern.

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