Wirtschaft : Wirtschaft wirft DGB Tricks bei Lehrstellen vor

DIHK: Falsche Zahlen, um Ausbildungsabgabe durchzusetzen

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Berlin (dri/HB). Im Streit um die mögliche Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe verhärten sich die Fronten zwischen Wirtschaft und Gewerkschaften immer mehr. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), wirft dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) „falschen Zahlenzauber“ vor: Es gehe den Gewerkschaften darum, neutrale Beobachter zu verschrecken, um doch noch eine Ausbildungsplatzabgabe politisch durchsetzen zu können. Volker Scharlowsky, DGB-Bildungsexperte, gibt den Vorwurf zurück: Der DIHK betreibe „politisch motivierte Ablenkung“, um die Dramatik der Situation zu verschleiern, sagte er.

Tatsache ist, dass der DGB unbedingt durchsetzen will, dass es künftig eine Ausbildungs-Umlage gibt, über die die Kosten der Lehrstellen unter den Unternehmen neu aufgeteilt werden. So sollen auch Unternehmen, die nicht ausbilden, einen Beitrag leisten und die Zahl der Lehrstellen an die Nachfrage angepasst werden. Die Wirtschaftsverbände, neben dem DIHK vor allem der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), lehnen dies ab: Sie fürchten, dass künftig die gesamte Ausbildung vom Staat organisiert würde, weil jedes Unternehmen zunächst auf Zahlung der Umlage warten würde. Gerade die besonders in der Ausbildung engagierten Unternehmen würden so demotiviert, heißt es vom DIHK. Am Ende würde das Gegenteil dessen erreicht, was die Umlage bringen soll. Zudem befürchtet die Wirtschaft, dass sich die Gewerkschaften bei SPD und Grünen durchsetzen könnten.

Die Ausbildungsumlage ist das einzige Angebot an die Linken innerhalb des Reformprogramms „Agenda 2010“ von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Allerdings will Schröder die Abgabe nur dann einführen, wenn es der Wirtschaft nicht gelingt, bis Ende des Jahres alle noch unversorgten Jugendlichen in Lehrstellen unterzubringen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) lehnt das Instrument als falschen Weg ab, Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) verhält sich bisher unentschieden. Einig sind sich Wirtschaft und Gewerkschaften immerhin darin, dass die Lehrstellensituation in diesem Jahr der wirtschaftlichen Stagnation schwierig ist.

DIHK-Geschäftsführer Wansleben kritisiert aber, dass der DGB mit der Vermittlungsstatistik der Bundesanstalt für Arbeit (BA) argumentiert. Die sei für diesen Zweck ungeeignet: Längst nicht alle Betriebe meldeten freie Lehrstellen. Zudem meldeten sich viele junge Leute nicht ab, wenn sie einen Ausbildungsplatz hätten. Der Effekt laut DIHK: Auch in guten Jahren beginnen am Ende nur zwei Drittel der ursprünglichen Bewerber eine Lehre.

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