Wirtschaft zum Terror in Paris : DIW-Chef Marcel Fratzscher befürchtet "signifikante" Schäden

BDI-Präsident Ulrich Grillo trauert um die Opfer von Paris. Die Börse dort will am Montag wieder handeln, Kursrückgänge werden erwartet.

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Die Börse in Paris will weitermachen wie normal.
Die Börse in Paris will weitermachen wie normal.Foto: dpa

Ulrich Grillo ist sichtlich erschüttert: „Der Schock sitzt tief, das Entsetzen ist groß“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) am Sonntag. „Wir denken an die Opfer der brutalen Terroranschläge, ihre Familien und Freunde. Wir sind sehr traurig.“ Doch trotz aller Emotionen mahnt der Industrieführer zur Besonnenheit. „Schwerwiegende aktuelle Probleme“ müsse man weiter „besonnen und vernünftig lösen“, warnt Grillo vor möglichen Scharfmachern, die die Anschläge von Paris für ihre Zwecke ausnutzen wollen. An die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge mag der BDI-Chef jetzt noch nicht denken. Doch glaubt man dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, könnte der Schaden für die Wirtschaft „signifikant“ sein.

Wie am 11.September 2001

„Die Anschläge könnten zu einem Vertrauensverlust von Unternehmen und Konsumenten führen, und damit die wirtschaftliche Erholung Europas abwürgen“, betonte Fratzscher am Sonntag. Das könnte auch Deutschland treffen. Denn auch Deutschlands wirtschaftliche Dynamik werde fast ausschließlich durch die starke Nachfrage deutscher Konsumenten getrieben, gibt der Berliner Ökonom zu bedenken. „Die Anschläge des 11. September 2001 in den USA haben gezeigt, wie schädlich ein solcher Vertrauensverlust für die Wirtschaft sein kann“, sagt Fratzscher. „Die Staats- und Regierungschefs der G20 sollten dringend ein gemeinsames Signal für eine starke Unterstützung durch ihre Wirtschaftspolitik senden“, appelliert der Wirtschaftsexperte an die Top-20-Staaten, die am Sonntag ihr zweitägiges Gipfeltreffen in der Türkei begonnen haben.

In Paris wird am Montag gehandelt

Die Pariser Börse bemüht sich unterdessen um Normalität. Sie wird an diesem Montag wieder geöffnet sein. Der Handelsplatz befindet sich mehrere Kilometer von den Anschlagsorten entfernt. Dennoch dürfte am ersten Handelstag nach dem Terrorwochenende nichts normal sein. „Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Aktienmarkt um zwei bis drei Prozent fällt“, glaubt Yogi Dewan von der britischen Investmentfirma Hassium Asset Management. Dass Kursrückgänge drohen, lässt sich auch an ersten Reaktionen aus den USA ablesen. Die Futures auf die wichtigen US-Indizes hatten am Freitag nach US-Börsenschluss nachgegeben. Alles was die weltpolitischen Risiken wieder ins Bewusstsein bringe, werde die Märkte belasten, die derzeit ohnehin anfällig seien, sagte ein Börsianer. „Gerade weil es in den vergangenen Wochen so deutlich nach oben gegangen ist.“

Büßt der Dax seine Gewinne ein?

Im Fokus der Anleger dürften in den nächsten Tagen nach Einschätzung von Börsianern vor allem Versicherungsunternehmen und die Tourismusbranche stehen. Zudem steuerten viele wohl einen sicheren Hafen an: Vergangene Terroranschläge hätten gezeigt, dass Anleger nach solchen Ereignissen verstärkt in die als sicher geltenden US-Staatsanleihen flüchteten, erklärte Anlagestratege Guy LeBas bei Janney Montgomery Scott.
Dem deutschen Aktienleitindex Dax hatten vor allem die Spekulationen auf eine mögliche Ausweitung der Geldflut im Euro-Raum zuletzt einen Höhenflug beschert. Auch wenn dem Index in der vergangenen Woche etwas die Puste ausging, stand seit Anfang Oktober bis Freitag immer noch ein Plus von rund 13 Prozent zu Buche. In den USA rückt die Zinswende der Notenbank immer näher: Die zuletzt meist positiven Wirtschaftsdaten dürften laut Börsianern die US-Notenbank Fed dazu bewegen, im Dezember erstmals seit fast einem Jahrzehnt die Zinsen anzuheben. Fed-Chefin Janet Yellen und andere Notenbanker hatten bereits angedeutet, dass eine Anhebung der Zinsen bei der Sitzung der Notenbank am 15. und 16. Dezember möglich sei. mit rtr