Wirtschaftsaufschwung : Gute Geschäfte, kaum neue Jobs

Die Unternehmer in Berlin und Brandenburg sind optimistisch. Auf den Arbeitsmarkt schlägt sich das aber noch nicht nieder. Zusätzliche Stellen gibt es nur im Maschinenbau.

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Die Hauptstadt baut. Trotz des Auslaufens der Konjunkturpakete erwartet die Bauindustrie stabile Umsätze und Aufträge.
Die Hauptstadt baut. Trotz des Auslaufens der Konjunkturpakete erwartet die Bauindustrie stabile Umsätze und Aufträge.Foto: ddp

Die Unternehmer in Berlin und Brandenburg erwarten in diesem Jahr gute Geschäfte. Besonders der Maschinenbau, die Metall- und Elektroindustrie, der Großhandel, die Holz- und Kunststoffindustrie sowie die Dienstleister rechnen in 2011 mit steigenden Umsätzen, ergab eine Umfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). „Keine Branche rechnet mit Rückgängen“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck am Montag bei der Vorstellung der Umfrage in Berlin. Die Region profitiere vom Wachstum der Weltwirtschaft, weil sie so exportstark sei. „Die Exportquote der Berliner Industrie liegt inzwischen bei 50 Prozent“, sagte Amsinck.

Insgesamt rechnet der Verband in diesem Jahr mit einem Wachstum von zwei Prozent in beiden Bundesländern. „Allerdings sind die Auswirkungen der dramatischen Ereignisse in Japan auf die Weltkonjunktur derzeit noch unklar“, sagte Amsinck. Er gehe jedoch davon aus, dass sie beherrschbar blieben.

Trotz des Aufwärtstrends ist in diesem Jahr nur im Maschinenbau mit zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Region zu rechnen. Alle anderen befragten Branchen gaben an, die Beschäftigung stabil halten zu wollen. Bereits im vergangenen Jahr war die Beschäftigtenzahl in der Industrie in Berlin und Brandenburg wieder auf das Niveau vor der Finanzkrise gestiegen. Mit 77 400 Beschäftigten in Berlin und knapp 73 000 in Brandenburg waren hier sogar mehr Menschen beschäftigt als 2008. „Der Aufholprozess ist dynamischer verlaufen als erwartet“, sagte Amsinck. Dass es gelungen sei, die Industriebeschäftigung auch 2010 zu halten, zeuge von einer „großen Gemeinschaftsleistung“ von Wirtschaft, Gewerkschaften, Betriebsräten und Politik.

Allerdings zeigen die Zahlen des vergangenen Jahres, dass es durchaus noch Aufholbedarf gibt. In Berlin lagen die Umsätze der Industrie 2010 mit rund 22 Milliarden Euro (plus 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) noch mehr als drei Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Auch bei den Aufträgen fehlten 2010 noch rund vier Prozentpunkte zum Niveau von 2008. Die Branchen, die besonders stark aufholen konnten, waren die Elektrotechnik, die Chemie und die Metallerzeugung und -bearbeitung.

Der Verband appellierte an Politik und Unternehmen, sich für eine Sicherung des Fachkräftebedarfs einzusetzen. Die Anzahl der betrieblichen Ausbildungsplätze in Berlin sei mit 38 Prozent zu niedrig. Unternehmen, die selbst nicht alle Bausteine einer Ausbildung anbieten könnten, sollten sich an Ausbildungsverbünden beteiligen, forderte Amsinck.

Auch eine leistungsfähige Infrastruktur, eine bezahlbare Energieversorgung und eine Konsolidierung der Haushalt stünden im Aufschwung auf der Agenda. Der Verband machte sich ferner für einen Energiemix aus erneuerbaren Energien und Braunkohle stark. Deutschland sei noch eine ganz Reihe von Jahren auf die Atomenergie als Brückentechnologie angewiesen, sagte Amsinck. Die Braunkohle bleibe aber auch langfristig „ein Eckpfeiler der sicheren Energieversorgung“. Sie sei als heimischer und subventionsfreier Energieträger nicht nur für die Lausitz in Brandenburg von großer Bedeutung, sagte Amsinck. Auch deshalb müsse die Technologie zur unterirdischen Speicherung von CO2 (CCS) vorangetrieben und die EU-Richtlinie zur CCS-Strategie dringend umgesetzt werden. Der UVB forderte auch einen schnelleren Ausbau der Netzinfrastruktur.

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