Wirtschaftsbeziehungen : Maschinen und Kondome

Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt für Polen - und für Brandenburg ist der Nachbar sogar lebenswichtig.

Henrik Mortsiefer
brandenburg
Enge Beziehung. 6000 polnische Firmen sind in Berlin-Brandenburg aktiv. -Foto: vario images

Berlin - Der Handel zwischen Deutschland und Polen hat im vergangenen Jahr etwas an Schwung verloren. Die Wirtschaftsbeziehungen zu dem dynamisch wachsenden Nachbarn im Osten bleiben aber vor allem für das Land Brandenburg lebenswichtig. So wurden 2007 knapp 15 Prozent der in Brandenburg hergestellten Waren im Wert von 1,5 Milliarden Euro nach Polen exportiert – 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Polen bleibt damit wichtigster Exportmarkt für die Brandenburger. Zum Vergleich: Vom gesamtdeutschen Export gingen zuletzt nur 3,6 Prozent nach Polen. Gefragt waren vor allem deutsche Maschinen, Metallerzeugnisse, Autoteile und -zubehör sowie Kunststoffe (siehe Grafik).

Trotz der engen Verflechtung der Länder hat das stürmische Handelswachstum der Vorjahre etwas nachgelassen. 2006 waren die Ausfuhren aus Brandenburg nach Polen noch um 53 Prozent gestiegen, 2005 um 56 Prozent. Offenbar habe es 2007 einer „kleinen Verschnaufpause“ bedurft, hieß es am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz der Handels- und Wirtschaftsabteilung der polnischen Botschaft in Berlin. Der grenzüberschreitende Handel bleibe dennoch „Teil einer deutsch-polnischen Erfolgsstory der letzten zwei Jahrzehnte“, wie Wojciech Pomianowski, stellvertretender Leiter der polnischen Botschaft, sagte. Rund 3000 deutsche Unternehmen seien heute in Polen aktiv, von denen etwa zehn Prozent mit Kapitalbeteiligungen von mehr als einer Milliarde Dollar (rund 630 Millionen Euro) engagiert seien.

Als „außerordentlich verblüffend“ bezeichnete Gerd Harms, Leiter der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund, das umgekehrte Investitionsverhalten polnischer Unternehmen in Deutschland. Das Investitionsvolumen liege bei 650 Millionen Euro. Allein in Berlin-Brandenburg seien 6000, meist kleinere polnische Firmen ansässig, sagte Harms. Zu den größeren Unternehmen gehören Orlen (Tankstellen), Sanplast (Sanitäreinrichtung), Com-Arch (Computer), Unimil (Kondome, Gummi) oder Solaris (Bushersteller). Nach Unstimmigkeiten, die während der Amtszeit der Kaczynski-Brüder entstanden waren, sei der wirtschaftspolitische Kurs Polens nun klar. „Polen hat sich geöffnet“, sagte Harms.

Dass Erfolge auf dem polnischen Markt für westliche Unternehmen keine Selbstverständlichkeit mehr sind, zeigte am Dienstag eine Nachricht der Zeitung „Rzeczpospolita“: der Lebensmitteldiscounter Lidl wolle sich aus Polen zurückziehen. Als Grund wurde der „äußerst starke“ Wettbewerb auf dem polnischen Discountermarkt genannt.

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