Wirtschaftsdelegation : Röslers Rettungstruppe für Griechenland

06.10.2011 15:55 UhrVon Carsten Brönstrup, Kevin P. Hoffmann
Rösler fliegt am Donnerstag nach Athen. Foto: dpa
Rösler fliegt am Donnerstag nach Athen. - Foto: dpa

Der Wirtschaftsminister fährt heute mit einer 60-köpfigen Delegation nach Griechenland. Philipp Rösler und seine Begleiter wollen Geschäfte machen und gleichzeitig bei der Sanierung helfen.

Ein ungewöhnlicher Gast trifft an diesem Donnerstag in Athen ein. Deutschlands Wirtschaftsminister, der einen Insolvenzplan für Griechenland entwickeln lässt, und dessen FDP einen Mitgliederentscheid gegen den Rettungsschirm vorbereitet, führt eine 60-köpfige Wirtschaftsdelegation an. Philipp Rösler und seine Begleiter wollen Geschäfte machen und gleichzeitig bei der Sanierung helfen.

Wo die ansetzen kann, wird beim Blick auf die Teilnehmerliste deutlich: Fast ein Drittel der Reisegefährten Röslers stammt aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien.

Frank Asbeck hat bereits vor 30 Jahren erste Geschäfte mit Griechen getätigt. Der spätere Gründer und Chef des Bonner Solarmodulherstellers Solarworld kaufte dort auf Schrottplätzen alte BMW- Motorräder und Beiwagen der Nürnberger Firma Steib, die von der Wehrmacht hinterlassen worden waren. Den Griechen zahlte er 50 bis 70 Euro pro Seitenwagen. In Deutschland konnte er dafür rund 500 Euro verlangen. „Ich schätze die Griechen bis heute als Geschäftspartner“, sagt Asbeck. „Wir haben dort bereits größere Anlagen gebaut, die bei Umfang und Preis mit denen der Konkurrenz aus China mithalten können“. Gerade eben würden Lkw mit Modulen das Solarworld-Werk im sächsischen Freiberg in Richtung Griechenland verlassen.

Asbeck begleitet Rösler, um die Möglichkeiten für weitere Public Private Partnerships auszuloten, wie sie etwa für den Athener Flughafen angedacht sind. „Wir haben Ideen für ähnliche Projekte mit EU-Institutionen als Kreditgeber.“ Konkret könnte er den Griechen sogar anbieten, auch eine Modulfertigung vor Ort aufzubauen – „wenn die Rahmenbedingungen stimmen und vor Ort die nötigen Mengen abgenommen werden“.

Dimitrios Kouros ist Rechtsanwalt in Düsseldorf, Generalsekretär der deutsch-griechischen Wirtschaftsvereinigung und Berater eines Unternehmens namens SGI, das Golfplätze baut. Gerne auch in Griechenland. „Aber das ist schwierig“, sagt Kouros. Die Bedingungen beim Erwerb von Grundstücken seien „sehr restriktiv“, und wenn man einen Golfplatz anlegen wolle, müsse man gleich ein Hotel dazu bauen. „Wir brauchen Gesetze und keine ministeriellen Verordnungen“, sagt Kourus. Die seien schlicht zu unberechenbar und deshalb keinem Investor zuzumuten.

Dem Düsseldorfer Anwalt zufolge gibt es derzeit nur drei Golfplätze in Griechenland. Er weiß von drei weiteren, die seit Jahren im Projektstadium feststecken. „Mindestens zehn Golfplätze kann Griechenland vertragen“, meint Kouros. Bei Röslers Reise trifft der Anwalt mit dem Privatisierungsminister zusammen und will sich dabei für investorenfreundliche Gesetze einsetzen. „Erneuerbare Energien und Tourismus - darauf müssen die Griechen bauen.“

Lesen Sie auf Seite zwei, welche anderen Vorhaben in Griechenland angeschoben werden sollen.

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