Wirtschaftsfaktor Verkehr : "Ohne Mobilität sinkt unser Wohlstand"

Barbara Lenz ist Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin.
Barbara Lenz ist Verkehrsforscherin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Berlin.Foto: promo

Frau Lenz, wie stark hängt unser Wohlstand an der Mobilität?

Deutschland lebt vom Export. Wir importieren auch viele Güter, um sie anschließend als fertiges Produkt auf dem Weltmarkt wieder zu verkaufen. Wenn wir das nicht mehr wollen, werden die Dinge eben woanders produziert – womöglich zu höheren Kosten. Oder sie werden gar nicht produziert. In beiden Fällen sinkt unser Wohlstand.

Die stetig zunehmende Arbeitsteilung lässt sich nicht aufhalten?

Nein, ich glaube nicht. Es gibt allerdings Branchen, die weniger stark an der Globalisierung teilnehmen, weil mit der Produktion hohe Transportkosten verbunden sind – etwa die Papierindustrie. In anderen Bereichen kehren Unternehmen nach Europa zurück, etwa in der Textilindustrie, allerdings nicht wegen der Transportkosten.

Umweltschützer sagen, der Güterverkehr könne nur zunehmen, weil der Steuerzahler für die ökologischen Schäden des Transports aufkomme, nicht die Wirtschaft.

Natürlich sollten die die Kosten von denen getragen werden, die sie verursachen. Wenn man das aber nur lokal oder national macht, wird der Wettbewerb verzerrt. Es gibt aber Bestrebungen, das auf EU-Ebene zu vereinheitlichen.

Bislang ist dort wenig passiert. Trotz der Klimaschutz-Pläne finden heute noch immer 97 Prozent der Transporte mit fossilen Brennstoffen statt.

Neue Fahrzeuge im Güterverkehr sind sehr effizient, vor allem der Ausstoß von Luftschadstoffen ist stark gesunken. Es sieht aber nicht danach aus, dass der Straßengüterverkehr zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen kann. Denn die Transportmenge wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Selbst eine Verlagerung auf die Bahn ist keine Lösung, denn ihre Kapazitäten sind begrenzt.

Autobahnen und Gleise lassen sich aber nicht beliebig erweitern. Schon jetzt protestieren viele Anwohner gegen Lärm und Dreck.

Stimmt. Man muss den Güterverkehr optimieren. Durch Informationstechnik lässt sich der Verkehr besser steuern, die Lkws lassen sich bessern auslasten, die Warenströme besser organisieren. Hier gibt es noch viel Potenzial.

Kommt man ohne eine Verteuerung von Mobilität aus, etwa durch höhere Steuern?

Ich glaube nicht, dass sich dadurch die Arbeitsteilung zurückdrehen lässt. Der Schlüssel liegt in einer Optimierung der Transporte.

Das Gespräch führte Carsten Brönstrup.

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