Wirtschaft : Wirtschaftsforscher setzen auf Wahlsieg von Bush

Experten: Amtsinhaber bringt mehr Wachstum und steigende Aktienkurse – auch für Deutschland

Carsten Brönstrup

Berlin - Deutsche und andere Europäer haben Umfragen zufolge bei der US-Wahl einen klaren Favoriten – den Herausforderer John F. Kerry. Für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte wäre dagegen ein Sieg von Amtsinhaber George W. Bush positiver – das zumindest glauben namhafte Ökonomen. „Unter Bush dürfte das Wachstum höher ausfallen“, sagt etwa Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo- Vereinsbank. „Das wäre gut für die Weltwirtschaft – und damit für Deutschland“, findet Holger Schmieding, Europa-Chefökonom der Bank of America.

Deutschland ist mit den USA wirtschaftlich so eng verbunden wie kein anderes europäisches Land. Zum einen haben die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, zum anderen haben deutsche und US-Firmen ihr Engagement im jeweils anderen Land stark ausgebaut. Zehn Prozent des deutschen Exports gehen in die Staaten, acht Prozent des deutschen Imports kommen von dort.

Ihren Optimismus stützen die Wirtschaftsexperten auf die Steuer- und Finanzpolitik. „Bush strebt weitere Steuersenkungen an, das wäre gut für das langfristige Produktionspotenzial“, sagt Schmieding. „Kerry hingegen steht für höhere Steuern für Reiche, einen höheren Mindestlohn und womöglich für eine Besteuerung von Aktiengewinnen.“ Hüfner von der Hypo-Vereinsbank pflichtet dem bei – er erwartet unter Bush auch bessere Zeiten für die Börsen, vor allem dank der geplanten Sozialreform. „Die Aktienmärkte würden positiv reagieren, weil Bankeinlagen der Sozialversicherung in Aktien umgeschichtet würden“, vermutet er. Und steigende Kurse sind auch gut für die Realwirtschaft.

Sogar in der Finanzpolitik setzen die Ökonomen auf Bush – obwohl unter seiner Ägide das Etatdefizit auf 413 Milliarden Dollar angestiegen ist. „Schmerzhafte Einsparungen müssen beide Kandidaten vornehmen – Bush muss dabei aber weniger Rücksicht nehmen, da er sich ohnehin kein drittes Mal zur Wahl stellen darf“, schätzt Schmieding.

Dabei ist die Zukunft des US-Haushalts- wie des Leistungsbilanzdefizits für Deutschland besonders wichtig. „Wir leben ständig mit dem Risiko einer rasanten Dollar-Abwertung“, warnt Allianz-Chefökonom Michael Heise. „Das würde der Weltwirtschaft und damit dem deutschen Export massiv schaden.“ Schon bald werde ein Euro mehr als 1,30 Dollar kosten. „Das Beste, was der nächste US-Präsident deshalb für Europas Wirtschaft tun kann, ist der Abbau des doppelten US-Defizits“, rät Heise.

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