Wirtschaft : Wirtschaftsforscher zuversichtlich

Prognosen überwiegend optimistisch / DIHT: Arbeitskosten müssen runter Köln/Heidenheim. (dpa/AFP).Fast alle deutschen Konjunkturforscher erwarten in diesem Jahr ein Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes von 2,5 Prozent.Nur das Wirtschafts-und Sozialwissenschaftliche Institut des DGB (WSI) weiche mit einer Prognose von lediglich 1,9 Prozent Wachstum ab, berichtete am Donnerstag das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Übersicht über die Konjunkturprognosen von acht Instituten.Die Mehrheit der Institute prognostiziere für Westdeutschland eine höhere Wachstumsrate als für Ostdeutschland.Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Hans Peter Stihl, forderte unterdessen weitere Anstrengungen zur Senkung der Arbeitskosten.Dies bleibe "auch 1997 die zentrale Aufgabe", um neue Investitionen und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen zu ermöglichen, erklärte Stihl am Donnerstag zum Jahresbeginn in Bonn.Dabei bleibe auch die Kürzung der Lohnfortzahlung auf der Tagesordnung.Die Fehlzeiten durch Krankheiten lägen in Deutschland doppelt so hoch wie in anderen Industriestaaten.Dies sei "vergeudete Produktivität", beklagte Stihl.Inländische und ausländische Investoren hätten noch kein Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung.Vordringliche Aufgabe der Wirtschafts- und Finanzpolitik sei es daher, "das Vertrauen der deutschen und ausländischen Investoren zurückzugewinnen".Zugleich appellierte Stihl an die Unternehmen, 1997 noch einmal mehr Ausbildungsplätze anzubieten.Besonders jetzt, da geburtenstarke Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängten, sei "es ein Gebot gesellschaftlicher Solidarität, genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen". Das IW erwartet eine Zunahme der Arbeitslosenzahl auf vier Millionen, was eine Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent bedeuten würde, sowie einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent.Der Stellenabbau dürfte 1997 zwar zum Stillstand kommen, die Arbeitslosenzahl - derzeit 3,94 Millionen - werde aber weiter steigen.Wachstumsmotor dürfte nach übereinstimmender Ansicht der Forscher der Außenhandel bleiben.Die Schätzungen über die Zuwachsraten beim Export schwanken zwischen fünf (IW und WSI) und 6,75 (Sachverständigenrat).Die deutsche Exportwirtschaft werde nach Einschätzung des IW aber 1997 im internationalen Wettbewerb Marktanteile verlieren.Der Welthandel dürfte um real 7,5 Prozent zulegen, bei den deutschen Warenexporten sei dagegen nur mit einem mengenmäßigen Wachstum von sechs Prozent zu rechnen. Dabei gehen vor allem deutsche Maschinenbauer verstärkt ins Ausland.Die Exportquote dieser bedeutenden Investitionsgüterbranche sei im ersten Halbjahr 1996 auf knapp zwei Drittel gestiegen und habe damit den bisherigen Rekordwert von 65 Prozent aus dem Jahr 1985 eingestellt."Ich vermute, das steigt weiter", sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Michael Rogowski, in Heidenheim an der Brenz.Der Anteil der Ausfuhren in den asiatischen Raum, der bei knapp 20 Prozent der Gesamtausfuhren liege, werde in den nächsten Jahren steigen.Rogowski sagte, die deutsche Branche beschäftige im Ausland inklusive Service und Vertrieb bereits 250.000 bis 300.000 Menschen, davon entfielen rund 150.000 auf die Produktion.In Deutschland hat die Branche rund 950.000 Mitarbeiter.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben