Wirtschaftsforschung : "Maßlose Lohnforderungen sind Gift für Wachstum und Arbeitsplätze"

2007 war ein gutes Jahr für die Wirtschaft: Der langersehnte Aufschwung kam, die Zahl der Arbeitslosen sank. Wirtschaftsweise warnen dennoch: Überhöhte Lohnforderungen seien 2008 nicht angebracht.

Hamburg/EssenMehrere Wirtschaftsweise haben zur Zurückhaltung in den anstehenden Tarifrunden aufgerufen. "Maßlose Lohnforderungen sind gerade jetzt Gift für Wachstum und Arbeitsplätze", sagte Wolfgang Franz, Sachverständiger der Bundesregierung und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, der "Bild"-Zeitung. Die konjunkturelle Entwicklung müsse bei den Tarifverhandlungen berücksichtigt werden. Sollten die Gewerkschaften den Pfad der in den letzten Jahren gemäßigten Tarifabschlüsse verlassen, drohe Schaden bei der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, erklärte Franz. "Der Aufschwung darf nicht verfrühstückt werden", fügte er hinzu.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", mit den Tarifforderungen von bis zu acht Prozent riskierten die Gewerkschaften Arbeitsplätze. Die Gewerkschaften könnten sich auch nicht auf die Inflationsrate stützen, sagte er. Die recht hohe Inflation beruhe auf dem Einmaleffekt der Mehrwertsteuererhöhung und werde 2008 deutlich niedriger sein als zuletzt mit monatlich drei Prozent. "Die Lohnforderungen von bis zu acht Prozent sind gemessen an der Produktivität übertrieben", sagte er.

Es dürfe auch nicht aus dem Blick geraten, dass trotz des Aufschwungs immer noch 3,5 Millionen Menschen arbeitslos seien. Bei der Forderung für den öffentlichen Dienst dürfe auch nicht übersehen werden, dass viele öffentlichen Haushalte einschließlich des Bundes noch nicht ausgeglichen seien. (sba/AFP)

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