Wirtschaftskriminalität : Schmutzige Geschäfte im Internet

Die Wirtschaftskriminalität entwickelt sich für Unternehmen in Deutschland einer Studie zufolge zu einem immer größeren Problem. Besonders die Internetkriminalität ist gestiegen.

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Düsseldorf - 37 Prozent der Firmen in der Bundesrepublik seien in den vergangenen drei Jahren Opfer krimineller Machenschaften geworden, teilte die Unternehmensberatung KPMG am Dienstag mit. Sprunghaft sei dabei die Internetkriminalität angestiegen. Zudem handelten zunehmend auch hochrangige Manager kriminell. In der Mehrzahl der Fälle (53 Prozent) machten sich die Täter das Netz zunutze. Das waren mehr als doppelt so viele Fälle wie vor drei Jahren (23 Prozent). So würden via Internet im Namen von Unternehmen Bankdaten abgefischt, Konten angelegt und Kredite erschlichen oder als groß angelegter Betrug nicht existierende Waren verkauft.

In der Krise komme es auch verstärkt vor, dass Manager Finanzdaten fälschten, um Kredite für ihre Firmen zu erhalten. Das Umfrage-Institut Emnid hatte im KPMG-Auftrag rund 300 Unternehmen in Deutschland – vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern – befragt. KPMG-Experte Frank Hülsberg bezeichnete die Ergebnisse als „alarmierend“. Den jährlichen Schaden bezifferte er einschließlich der Dunkelziffer auf 15 bis 20 Milliarden Euro. Der aufgedeckte Schaden lag laut Bundeskriminalamt im Jahr 2008 bei 3,4 Milliarden Euro.

Bei jedem dritten mittelständischen Unternehmen seien Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse oder Schutz- und Urheberrechte verletzt worden. „Gerade in Krisenzeiten blüht das Geschäft mit dem Verkauf sensibler Informationen an Wettbewerber oder Kriminelle“, warnte Hülsberg. Vor allem Mittelständler unterschätzten die Gefahr oft, weil dort eine „Vertrauenskultur“ herrsche. Der Diebstahl wichtiger Informationen könne aber Firmen sogar die Existenz kosten, warnte er: „Sorglosigkeit ist riskant.“ Von Geldwäsche und Fälschung der Bilanzen seien deutlich mehr Unternehmen betroffen als noch vor drei Jahren, als die KPMG eine vergleichbare Studie vorgelegt hatte, hieß es weiter.

Allein die Commerzbank habe durch von Kunden vorgelegte falsche Zahlen bei Krediten rund 60 Millionen Euro bis Ende September verloren. „Wirtschaftskriminelle Handlungen“, erklärte die KPMG, wanderten „in der Unternehmenshierarchie weiter nach oben“. rtr

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