Wirtschaftskrise : Der Winter kostet 340 000 Menschen den Job

Die Arbeitslosigkeit steigt im Januar auf 3,61 Millionen – doch die Wirtschaft hat bereits die Wende im Blick.

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Berlin/Nürnberg - Der strenge Winter hat im Januar zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Etwa 342 000 Menschen mehr als noch im Dezember waren auf der Suche nach einer Stelle, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mit. Bundesweit fehlen demnach derzeit 3,617 Millionen Arbeitsplätze. „Dieser starke Anstieg ist leider üblich im Januar“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die Wirtschaftskrise habe sich aber weniger deutlich ausgewirkt als befürchtet. Das zeigen auch die um Saisoneinflüsse bereinigten Arbeitsmarktdaten, denen zufolge die Zahl der Jobsuchenden nur um 6000 stieg.

Für die Zunahme im Vergleich zum Dezember machte Weise Entlassungen zum Monats- und Quartalsende sowie die Witterung verantwortlich, die Tätigkeiten im Außenbereich erschwere. Im Februar sei die Arbeitslosenzahl in den vergangenen Jahren um höchstens 70 000 gestiegen. „Das wäre wieder zu erwarten“, sagte Weise. „Aber nicht darüber hinaus.“

Seit Beginn der Wirtschaftskrise vor gut einem Jahr entwickelt sich der Arbeitsmarkt robuster, als viele Fachleute es erwartet haben. Auch die BA hatte noch Ende vergangenen Jahres damit gerechnet, dass im Durchschnitt dieses Jahres 4,1 Millionen Menschen ohne Job sein würden. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung sei nun mit einem Anstieg in einem Korridor zwischen 3,7 und 3,8 Millionen Erwerbslosen zu rechnen. Damit schloss sich die BA der neuen Prognose der Bundesregierung an, die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im Jahreswirtschaftsbericht veröffentlich hatte.

Die robuste Lage auf dem Arbeitsmarkt geht auch weiterhin auf die massive Nutzung der Kurzarbeit in der Wirtschaft zurück. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker zufolge dürften im Januar weniger als eine Million Beschäftigte kurzgearbeitet und somit die Statistik entlastet haben. Den höchsten Stand hatte die Kurzarbeit im Mai 2009 mit gut 1,5 Millionen erreicht. Hinweise, dass Firmen aus der Kurzarbeit aussteigen wollten und Entlassungen im großen Stil planten, gebe es derzeit aber nicht.

„Die Unternehmen vertrauen darauf, dass sie wettbewerbsfähiger sind als viele Konkurrenten im Ausland, deshalb halten sie ihre Belegschaften“, sagte Volker Treier, Chefökonom des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dieser Zeitung. Die Firmen hofften darauf, dass die Nachfrage bald anzieht, „sonst würden sie nicht über einen so langen Zeitraum kurzarbeiten lassen“, fügte er hinzu. In den kommenden Monaten werde es zwar noch Einschnitte geben. Womöglich sei gegen Jahresende aber bereits die Wende erreicht. „Dann könnten sich Jobaufbau und -abbau wieder die Waage halten.“

Weniger positiv bewerteten die Gewerkschaften die neuen Daten. Vor allem der Rückgang bei Vollzeitarbeitsplätzen bereite Sorgen, während es bei Teilzeitarbeit und bei Minijobs weitere Zuwächse gegeben habe, befand Annelie Buntenbach, Vorstand beim Deutschen Gewerkschaftsbund. „Immer mehr Menschen arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil es den Flexibilisierungswünschen der Arbeitgeber nützlich ist.“ Oft reiche der Lohn dann aber nicht zum Leben und müsse vom Staat aufgestockt werden. Hier müsse die Regierung umsteuern.

In der Hauptstadtregion entwickelte sich der Arbeitsmarkt ähnlich dem Bundestrend. In Berlin waren im Januar knapp 245 000 Menschen ohne Stelle, 17 600 mehr als im Dezember. In Brandenburg zählten die Arbeitsagenturen 171 000 Stellensuchende, 19 500 mehr als einen Monat zuvor. Die Arbeitslosenquote in beiden Bundesländern lag insgesamt bei 13,8 Prozent. Das ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitt der westlichen Bundesländer – dort sind nur 7,4 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos gemeldet. Carsten Brönstrup

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