Wirtschaftskrise : Deutsche Bank: Der Krisengewinner

Die Deutsche Bank erzielt überraschend hohe Gewinne. Ackermann will wieder einen Bonus kassieren

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Türme der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt/Main. -Foto: dpa

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat die Krise im Jahr 2009 nicht nur überwunden – sie ist schon wieder richtig gut im Geschäft. Mit einem Nettogewinn von fünf Milliarden Euro hat das größte deutsche Kreditinstitut die Erwartungen von Analysten um mehrere hundert Millionen Euro übertroffen. Die gute Entwicklung ist vor allem den Erfolgen im Investmentbanking geschuldet. Viele Regierungen haben mithilfe der Deutschen Bank Anleihen aufgelegt, um ihre Konjunkturprogramme zu finanzieren. Schätzungen zufolge könnte die Hälfte des Gewinns auf diesen Bereich entfallen.

Vorstandschef Josef Ackermann räumte am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt am Main ein, dass die Bank als „relativer Gewinner der Krise“ wahrgenommen werde. Ein so günstiges Marktumfeld für das Investmentbanking wie 2009 werde so schnell nicht wiederkehren. 2008 war die Deutsche Bank schwer von der Krise getroffen worden und hatte einen Nettoverlust von 3,9 Milliarden Euro verkraften müssen.

Die Bank hat 2009 aber nicht nur vom Investmentbanking, sondern auch von Steuergutschriften profitiert. Unter dem Strich musste die Deutsche Bank nur rund 200 Millionen Euro an den Fiskus abführen. Auch in den nächsten Jahren wird das Investmentbanking weiter eine dominierende Rolle spielen. 2009 lag der Anteil der Sparte am gesamten Gewinn bei fast 70 Prozent.

Zwar haben alle Teile der Bank, auch die Vermögensverwaltung und das Filialgeschäft wieder deutlich schwarze Zahlen geschrieben. Laut Ackermann spürt die Privat- und Geschäftskundensparte allerdings die Krise besonders deutlich: Die Anleger hielten sich zurück, was die Provisionseinnahmen drückte. Daneben steigt die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft. Mit einem Gewinn von gut 458 Millionen Euro ist die Sparte weit vom angestrebten Ziel von einer Milliarde Euro entfernt.

Ackermann sieht die Deutsche Bank für die Zukunft gut gerüstet, weil man unter anderem auch die Kapitalbasis deutlich verstärkt habe. Die wichtige Kernkapitalquote stieg von 10,1 Prozent Ende 2008 auf jetzt 12,6 Prozent. Weil die Bank mehr Eigenkapital einbehalten hat, erhöht sich die Dividende nicht so stark wie erwartet. Sie soll nun um 50 Prozent auf 75 Euro-Cent je Aktie steigen. 2007 hatte die Bank noch 4,50 Euro ausgeschüttet.

Über die Höhe der Boni und seines eigenen Gehalts machte Ackermann keine Angaben. Klar ist nur, dass die Personalaufwendungen im Vergleich zum Verlustjahr 2008 um 18 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro gestiegen sind. Im Durchschnitt hat damit jeder der weltweit 77 053 Mitarbeiter – rund 3 400 weniger als Ende 2008 – fast 147 000 Euro verdient. Details über die Vorstandsgehälter wird die Bank Mitte März nennen, wenn der Geschäftsbericht veröffentlicht wird. Dann wird man auch sehen, wie die Berliner Bank innerhalb des Konzerns abgeschnitten hat.

Ackermann stellte klar, er sehe keinen Grund, für 2009 wie für das Jahr zuvor auf seinen Bonus zu verzichten. Er halte es für selbstverständlich, dass er in einem guten Jahr so bezahlt werde, wie es ihm vertraglich zustehe. Ab sofort gilt freilich bei der Deutschen Bank ein neues Vergütungsmodell. Danach wird der Anteil der Boni reduziert, das Fixgehalt steigt. „Neben Boni wird es in schlechten Zeiten auch Mali geben“, betonte Ackermann. Banker sollen also für Verluste auch bestraft werden können. Erfolgsbeteiligungen würden über mehrere Jahre gestreckt und verrechnet, auch für den Vorstand.

Die weltweite Wirtschaftslage bezeichnet der Deutsche-Bank-Chef als noch „fragil“. Sein Haus sei aber darauf eingestellt. „Aufgrund unserer Finanzstärke und unserer strategischen Positionierung sind wir bestens gerüstet.“ Am häufig kritisierten Ziel einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent hält Ackermann nach wie vor fest, auch wenn die Rendite 2009 nur bei 15 Prozent lag. Große Wachstumschancen sieht die Deutsche Bank in Asien und insbesondere in China sowie im Rohstoffgeschäft. Ackermann will allerdings auch die Position in Deutschland weiter stärken.

Vor dem Hintergrund der Debatte um die Schuld der Banken an der Finanzkrise bemühte sich Ackermann um versöhnliche Töne. Er sagte, dass sich die Bank einer verlässlichen Regulierung und einer intakten Aufsicht stellen werde. Die Deutsche Bank habe bereits erhebliche Risiken in ihrer Bilanz abgebaut. Banken müssten der realen Wirtschaft und den Menschen dienen.

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