Wirtschaftskrise : Erholung erst 2010

Die Bundesbank erwartet ein Schrumpfen der Wirtschaft in diesem Jahr um 6,2 Prozent. Der weitere Ausblick ist mit großer Unsicherheit behaftet.

Rolf Obertreis
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Der Maschinenbau hat im April 2009 bei den Auftragseingängen den stärksten Rückgang seiner Geschichte erlebt. Foto: ddp

Frankfurt am Main - Konjunkturprogramme und die Geldspritzen der Notenbanken bringen die lahmende Wirtschaft laut Bundesbankchef Axel Weber allmählich wieder auf die Beine. „Wir sehen derzeit Anzeichen dafür, dass diese umfassenden Maßnahmen die rapide Talfahrt an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft zum Stillstand bringen“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt am Main. Dennoch sei der Ausblick mit großer Unsicherheit behaftet, warnte Weber. Sein Haus rechnet nach einem heftigen Konjunktureinbruch in diesem Jahr erst ab 2010 mit einer zaghaften Erholung.

Die EZB flutet die Märkte bereits seit Monaten mit Geld und stellt den Banken im Kampf gegen die Krise dabei unbegrenzt Mittel zu Verfügung. Zudem hat sie die Laufzeiten für Kredite an die Geldinstitute beträchtlich verlängert und will ab nächstem Monat mit dem Ankauf von Pfandbriefen im Volumen von 60 Milliarden Euro weiteres frisches Geld in die Märkte pumpen. All diese Maßnahmen sollen dazu dienen, eine Kreditklemme in der Euro-Zone abzuwenden und den Bankensektor nachhaltig zu stützen.

Für 2009 erwartet die Bundesbank aber noch keine Erfolge dieser Politik. In ihrer neuen Prognose rechnet das Haus mit einem Einbruch der Wirtschaft um 6,2 Prozent. Das ist noch schlechter als die Prognose der Bundesregierung (minus sechs Prozent) und wäre die mit Abstand größte Zäsur seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach einer allmählichen Stabilisierung werde die Konjunktur im nächsten Jahr bei einem Null-Wachstum stagnieren. „Die Wirtschaft befindet sich derzeit in einer starken Rezession. Eine echte Wende zum Besseren, die über eine reine Bodenbildung hinausgeht, ist jedoch erst im Jahresverlauf 2010 zu erwarten“, schreiben die Bundesbanker.

Damit steckt die Bundesrepublik in einer schwierigeren Lage als der Euroraum: Die EZB erwartet in diesem Jahr in der Eurozone einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um durchschnittlich 4,6 Prozent. Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresquartal real um 6,7 Prozent geschrumpft.

Als wichtigsten Grund für die schwierige Lage sieht die Bundesbank die Talfahrt der Weltkonjunktur und einen unerwartet starken Einbruch des internationalen Handels, der das stark vom Export abhängige Deutschland besonders trifft.

Die Bundesbanker räumen ein, dass sie mit ihrer letzten Prognose vom Dezember komplett danebenlagen. Damals sagten sie in Deutschland für 2009 noch einen Rückgang des Sozialprodukts um 0,8 Prozent und für 2010 wieder ein Wachstum von 1,2 Prozent voraus.

Allerdings sehen die Ökonomen auch leichte Hoffnungsschimmer: Im März seien die Bestellungen gegenüber dem Vormonat wieder gestiegen, der Export habe sich im Februar und März stabilisiert. Zudem werde die Binnennachfrage durch die Finanzpolitik gestützt und die Preise blieben stabil. „In den Sommermonaten könnte die deutsche Wirtschaft wieder Boden finden.“ Der private Verbrauch und die durch die Konjunkturprogramme angestoßenen öffentlichen Investitionen werden die Wirtschaft allmählich wieder stützen.

Die Folgen der Rezession für den Jobmarkt halten sich laut Bundesbank noch in Grenzen. Im Schnitt erwartet sie 2009 rund 3,5 Millionen Arbeitslose, 2010 dann 4,4 Millionen. Die Arbeitslosenquote läge damit 2009 bei 8,4 und 2010 bei 10,5 Prozent. mit dpa

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