Wirtschaftskrise : IG Chemie: Banken sollen Kurzarbeit zahlen

Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) will die Banken an den Restkosten der Kurzarbeit beteiligen.

Hannover / Frankfurt am Main -   Die Kurzarbeit müsse auch 2010 fortgeführt werden, sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis am Montagabend in Hannover. Nach Vorstellungen der Gewerkschaft sollten die Firmen auf einen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vorgeschlagenen Fonds zur Stärkung des Eigenkapitals von Unternehmen zugreifen können. Wenn Betriebe von den restlichen Kurzarbeitkosten – Lohnanteile für Feier- und Urlaubstage, Weihnachtsgeld und vermögenswirksame Leistungen – befreit würden, begünstige das auch ihr Eigenkapital und erhöhe ihre Kreditwürdigkeit, sagte Vassiliadis. „Schließlich sind es die Banken, die zu einem Gutteil Verantwortung dafür tragen, dass die Krise in der Realwirtschaft zu Kurzarbeit führt.“

Die Chemieindustrie wird das Jahr 2009 mit einem massiven Produktions- und Umsatzeinbruch abschließen, schaut aber mit Hoffnung in die Zukunft. „Das war eines der schwierigsten Jahre in der Geschichte der deutschen Chemie“, sagte Ulrich Lehner, Präsident des Branchenverbandes VCI, am Dienstag in Frankfurt am Main. Der Tiefpunkt sei aber durchschritten und es gehe wieder bergauf, „allerdings nur mit mäßiger Dynamik“. 2010 erwartet Lehner ein Produktionsplus von fünf und einen Umsatzzuwachs von sechs Prozent. Immerhin konnte die Branche die Beschäftigung 2009 mit einem Minus von 1,5 Prozent auf 435 000 Mitarbeiter relativ stabil halten – vor allem wegen der Kurzarbeit. Der Umsatz der Chemiefirmen fällt in diesem Jahr um 12,5 Prozent auf 154,4 Milliarden Euro.

2010 soll die Beschäftigung zumindest gehalten werden. Gleichwohl ist die Mitarbeiterzahl in der Branche so niedrig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Mitte der 90er beschäftigten die Chemiefirmen in Deutschland fast 520 000 Menschen. Seinen vorsichtigen Optimismus für 2010 begründete VCI-Präsident Lehner mit der wieder ausgedehnten Produktion, unter anderem im Automobilbau, in der Kunststoffverarbeitung und auch im Maschinenbau. An diese Branchen verkauft die Chemie mehr als ein Drittel ihrer Produkte. ro/dpa

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