Wirtschaftskrise : In Japan ist die Krise tiefer

Jahrelang hat Japan von der großen Nachfrage nach seinen Autos, seinen Elektronikprodukten und seinen Maschinen profitiert. Doch mittlerweile schrumpft die Wirtschaft des Landes so stark wie seit 1974 nicht.

Corinna Visser
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Berlin - Jahrelang hat Japan von der großen Nachfrage nach seinen Autos, seinen Elektronikprodukten und seinen Maschinen profitiert. Japans größter Autokonzern Toyota stieg sogar zum weltgrößten Autohersteller auf. Doch nun trifft die Wirtschaftskrise die Exportnation mit voller Wucht. Japans Wirtschaftsleistung ist dramatisch zurückgegangen. Sie sank im vierten Quartal 2008 um 3,3 Prozent. Das war der dritte Rückgang in Folge. Auf das Jahr gerechnet beträgt das Minus sogar 12,7 Prozent. Damit schrumpft Japans Wirtschaft so stark wie seit der Ölkrise von 1974 nicht mehr.

Und das Land steckt weit tiefer in der Rezession als die USA oder Europa. „Das ist die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit“, sagte der japanische Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano. Auslöser für die Krise ist der rückläufige Export. Er brach im abgelaufenen Quartal um 13,9 Prozent ein. „Japans Wirtschaft ist zwar weit weniger vom Export abhängig als Deutschland“, sagt Friederike Bosse, Generalsekretärin des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin. „Aber der japanische Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre kam fast ausschließlich über die Nachfrage aus dem Ausland. Die bricht jetzt weg.“

Die Hauptabnehmer für Japans Produkte sind mit großem Abstand China und die USA. Doch die kaufen nun deutlich weniger. „Auch deutsche Firmen, zum Beispiel Zulieferer der japanischen Auto- und Elektronikindustrie, spüren die Krise deutlich“, sagt Pascal Gudorf von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan.

Toyota rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Betriebsverlust von fast vier Milliarden Euro. Es ist der erste Betriebsverlust in der fast 70-jährigen Firmengeschichte. „Toyota galt lange als unbesiegbar und war der Inbegriff der japanischen Erfolgsgeschichte“, sagt Bosse vom Japanisch-Deutschen Zentrum. „Die Nachricht war ein tiefer Schock für die Menschen.“ Es war nicht der einzige: Der Autobauer Nissan erwartet einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro und baut 20 000 Stellen ab. Auch große Namen der japanischen Elektronik- und Computerbranche melden Umsatzeinbrüche und müssen sparen: Sony streicht 8000 Stellen, Pioneer 10 000, NEC sogar 20.000.

„Anders als in früheren Krisen haben die Unternehmen sehr schnell mit Personalentlassungen reagiert“, sagt Gudorf von der Handelskammer. Bisher habe die Krise Opfer vor allem bei den Teilzeitkräften in der Produktion gefordert. „Langsam aber machen sich auch Festangestellte gerade in Klein- und mittelständischen Betrieben Sorgen um ihren Arbeitsplatz.“ Das Problem sei: In Japan gibt es kein System der Kurzarbeit. Noch ist die Arbeitslosenquote vergleichsweise niedrig: Im Jahr 2008 betrug sie vier Prozent. „2009 wird mit mindestens 4,5 Prozent gerechnet“, sagt Jürgen Maurer von Germany Trade and Invest, der Wirtschaftsfördergesellschaft des Bundes.

Was Japans Exportindustrie zusätzlich bremst, ist der extrem starke Yen. Er macht die Waren im Ausland relativ teuer. Jahrelang hatten sich Anleger in Yen verschuldet (der Zins liegt nahe null), um das Geld anderswo gut anzulegen. Seit die Zinsen weltweit auf Talfahrt sind und andere Anlageformen wie Aktien an Attraktivität verloren haben, kehren die Anleger zum Yen zurück. Die Aufwertung des Yen wiederum macht Importprodukte für japanische Kunden günstig, sagt Gudorf. Das sei eine Chance für deutsche Firmen. So zeigen sich etwa Pharmafirmen und Medizintechnikanbieter krisenresistent. „Schließlich altert die japanische Bevölkerung wie kaum eine andere.“

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