Wirtschaftskrise : Konjunktur in der Badewanne

Steiler Absturz, lange Flaute, langsame Erholung – wie die deutsche Wirtschaft durch die Krise kommt.

Berlin Berlin - Der Export, eine Stütze der deutschen Volkswirtschaft, ist im Mai nicht weiter eingebrochen. Zwar zeigt sich, dass im Vergleich zu den Geschäften vor einem Jahr große Teile der Ausfuhren weggebrochen sind. Die Sorge vor einem Kollaps des deutschen Außenhandels ist aber unbegründet. Der Export macht etwa 40 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden im Mai 2009 von Deutschland Waren im Wert von 60,7 Milliarden Euro ausgeführt – 0,3 Prozent mehr als im April und 24,5 Prozent weniger als im Mai 2008. Obwohl die Spuren der Rezession damit unübersehbar sind, sprach der Branchenverband BGA am Donnerstag von „ersten hoffnungsvollen Anzeichen“.

Für die deutschen Industrieunternehmen bestätigte Destatis einen Trend, der sich schon bei den Auftragseingängen und der Produktion abgezeichnet hatte: Die Umsätze in der Industrie sind im Mai so stark gestiegen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Sie kletterten gegenüber dem Vormonat um 4,6 Prozent. „Man darf allerdings nicht außer Acht lassen, dass der starke Anstieg auf einem sehr niedrigen Niveau basierte“, hieß es. Denn die Umsätze lagen arbeitstäglich- und preisbereinigt noch um deutliche 19,0 Prozent unter dem 2008er-Niveau.

Die weltweite Wirtschaftskrise macht sich auch bei den Preisen bemerkbar. Der Preisauftrieb tendierte im ersten Halbjahr 2009 zeitweise gegen null. Im Juni lag die Teuerungsrate nur bei 0,1 Prozent, wie Destatis berichtete.

Volkswirte warnten vor Hoffnungen, die Rezession könnte schneller als gedacht beendet sein. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) glaubt, dass ein Ende der tiefen Wirtschaftskrise noch nicht absehbar ist. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 6,5 Prozent sinken. Aber auch 2010 werde die deutsche Wirtschaft leicht schrumpfen – um 0,4 Prozent, prognostizierten die Forscher. „Dank der staatlichen Stabilisierungspolitik werden wir 2010 eine Beruhigung erleben. Aber keine Wende zum Besseren“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. Zur Beschreibung des Konjunkturverlaufs in Deutschland griff er zu einem ungewöhnlichen Bild: Die Wirtschaftsentwicklung könnte auf Sicht mehrerer Jahre einer „asymmetrischen Badewanne“ ähneln. Üblicherweise vergleichen Experten die Konjunktur mit Buchstaben – V (steil bergab, steil bergauf), W (wiederholtes Auf und Ab), L (Absturz und Stagnation) oder U (Abschwung, längere Flaute, Aufschwung). mot

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