Wirtschaftskrise : Mehr Firmen gehen Pleite - außer in Berlin

Erstmals seit fünf Jahren ist die Zahl der Insolvenzen 2008 gestiegen - im kommenden Jahr wird es noch schlimmer. Allerdings: In Berlin hat sich die Lage nicht verschlechtert.

Rolf Obertreis,Hannes Heine

Frankfurt am Main / BerlinFrankfurt am Main/Berlin - Erstmals seit fünf Jahren ist die Zahl der Firmenpleiten 2008 wieder gestiegen. Im nächsten Jahr wird sich der Trend nach Ansicht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform beschleunigen: 33 000 bis 35 000 Firmen werden 2009 aufgeben müssen. In diesem Jahr stieg die Zahl der Pleiten laut Creditreform Chef Helmut Rödl um 2,2 Prozent auf 29 800. Mit 816 000 gab es außerdem 40 000 Firmengründungen weniger als 2007. Das sind so wenige wie seit fünf Jahren nicht mehr. Nach Angaben von Rödl ist die Pleitegefahr in Sachsen-Anhalt am größten, in Bayern am geringsten. Verbessert hat sich die Lage in Berlin. Die Hauptstadt stieg in der Rangliste 2008 von Platz 13 auf Platz sieben. In Berlin meldeten in diesem Jahr 1480 Firmen Insolvenz an, 2007 waren es fast ebenso viele.

Nach Einschätzung von Creditreform rächt sich in Krisenzeiten, dass zu wenige Betriebe in guten Jahren ihr Eigenkapital aufgestockt haben. Gerade für diese Firmen werde es jetzt schwieriger, benötigte Kredite zu bekommen. So müssen mehr als ein Drittel der Unternehmen derzeit höhere Sicherheiten als üblich aufbringen. Noch im Frühjahr betraf dies nur rund 16 Prozent. Bei neun Prozent der Firmen lehnen Banken und Sparkassen den Kreditwunsch ganz ab, vor einem halben Jahr traf das nicht einmal zwei Prozent der Unternehmen.

Nach wie vor ist die Baubranche am stärksten von Pleiten betroffen, auch im Handel, vor allem im Autoverkauf, werden die Sorgen immer größer. Die Schäden durch Insolvenzen werden sich in diesem Jahr nach Berechnungen von Creditreform auf rund 29 Milliarden Euro belaufen, rund 447 000 Arbeitsplätze könnten insgesamt verloren gehen.

Kleiner geworden ist die Zahl der privaten Pleiten: Von 105 300 im Vorjahr sank sie auf 98 500. Diese Abnahme beruhe jedoch nicht auf einer Verbesserung der Lage. Sie geht laut Creditreform vielmehr darauf zurück, dass Gerichte ihre Beratung eingeschränkt hätten. ro/hah

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