Wirtschaftskrise : Metallindustrie erreicht Grenzen der Kurzarbeit

Als Folge der drastischen Auftragseinbrüche gelangt der Beschäftigungspuffer Kurzarbeit offenbar an seine Grenzen.

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Puffer. Autobauer setzen auf Kurzarbeit, um die Belegschaften zu erhalten.Foto: ddp

Berlin „Die wirtschaftlichen Kennzahlen unserer Industrie mit ihren 3,6 Millionen Mitarbeitern befinden sich im Sturzflug, darüber kann auch Pfeifen im dunklen Wald nicht hinwegtäuschen“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, dem „Handelsblatt“. Der Erhalt von Arbeitsplätzen etwa per Kurzarbeit habe für die Betriebe zwar hohe Priorität. „Das kann aber nur Überbrückung sein, welche die meisten Betriebe finanziell kaum zwölf oder 18 Monate in großem Stil durchhalten können“, betonte er.

Unter dem Dach von Gesamtmetall sind mehrere der wichtigsten Industriebranchen organisiert, darunter etwa die Autoindustrie und der Maschinenbau. Letzterer hatte kürzlich nach einem neuerlichen Auftragseinbruch um 49 Prozent im Februar seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf minus zehn bis minus 20 Prozent zurückgenommen.

Gesamtmetall konzentriert sich nun verstärkt auf Instrumente, die einen Arbeitsplatzabbau zumindest noch abfedern sollen, wenn die Pufferfunktion der Kurzarbeit ausgeschöpft ist. „Wir analysieren den weiteren Ausbau verschiedener Varianten von Transfergesellschaften“, erläuterte Kannegiesser. Diese könnten „in bestimmtem Umfang eine weitere Überbrückung für unsere nicht mehr ausgelasteten Arbeitsplätze darstellen“.

Das Instrument der Transfergesellschaft dient im Grundsatz dazu, Stellenabbau als Folge eines Strukturwandels sozialverträglich zu gestalten und dabei die Chancen der Betroffenen durch Qualifizierung zu verbessern. Statt gekündigte Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, kann sich das Unternehmen mit dem Betriebsrat darauf verständigen, den Übergang auf neue Arbeitsplätze im Rahmen einer speziell einzurichtenden Organisationsstruktur zu unterstützen. Neben Fördergeldern der Arbeitsagentur fließen dabei finanzielle Leistungen des betroffenen Unternehmens ein – darunter etwa solche, die es sonst für Abfindungen hätte zahlen müssen. Die gekündigten Mitarbeiter bekommen übergangsweise einen Arbeitsvertrag mit der Transfergesellschaft. Nach Vorstellung von Gesamtmetall soll das Instrument nun in abgewandelter Form auch für eine mögliche Überbrückung der aktuellen Krise eingesetzt werden. Dies gelte besonders für junge Fachkräfte, Techniker und Ingenieure.

SPD und CDU erwägen, die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld über 18 Monate hinaus zu verlängern. Damit wäre den Firmen aber kaum geholfen: „Die gesamten festen Kosten laufen doch weiter, ohne dass ihnen entsprechende Umsätze und Einnahmen gegenüberstehen“, sagte Kannegiesser. dc (HB)

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