Wirtschaft : Wirtschaftskrise und Arbeitsmarkt: Der Stellenabbau im Handwerk geht weiter

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Im Handwerk geht es mit der Konjunktur weiter bergab: Sowohl west- als auch ostdeutsche Betriebe beurteilen die Geschäftslage so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr; auch für 2001 sind die Aussichten düster. Außerdem fehlen dem Handwerk zurzeit 170 000 Stellen; allein 20 000 in den neuen Ländern. Das geht aus der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Konjunkturumfrage des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) hervor. Angesichts dieser Entwicklung müssten "alle Alarmglocken schrillen", erklärte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer.

Maschinenbau fordert Perspektiven

Statt der üblichen Belebung im ansonsten umsatz- und beschäftigungsstärksten dritten Quartal weist die Umfrage einen deutlichen Einbruch aus. In diesem Jahr wird ein negatives Wachstum von etwa einem Prozent minus erwartet. Die negative Umsatzentwicklung betreffe mittlerweile alle Handwerksgruppen und schlage direkt auf die Zahl der Beschäftigten durch, sagteSchleyer. Allein dieses Jahr sei von einem Rückgang um 200 000 Stellen (minus 3,4 Prozent) auszugehen. Darüber hinaus wollten 23 Prozent der Betriebe im Westen und 30 Prozent im Osten in den Wintermonaten Leute entlassen.

Der ZDH-Generalsekretär warf der Bundesregierung vor, sie mache es sich zu einfach, wenn sie für die steigenden Arbeitslosenzahlen nur die "Wachstumsdelle" in den USA verantwortlich mache. Deutschland habe nicht nur konjunkturelle, sondern strukturelle Defizite. Er forderte erneut ein Vorziehen der nächsten Stufen der Steuerreform, sowie eine rasche Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

Auch der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Diether Klingelnberg, forderte am Donnerstag von der Regierung verlässliche Perspektiven. Es sei zu verstehen, dass eine vorgezogene Senkung der Einkommenssteuer mit der notwendigen Haushaltskonsolidierung kollidieren würde, sagte der Verbandspräsident. Es müsse aber ein auf lange Sicht angelegtes Steuerkonzept mit Sätzen geben, wie sie die Wettbewerber in Europa hätten.

Ungeachtet dessen sei man zuversichtlich, nach der für nächstes Jahr erwarteten Delle bald wieder dauerhaft wachsen zu können. Nach einem Rückgang im Jahr 2002 rechne der Maschinenbau für 2003 mit Wachstumsraten von drei bis vier Prozent. Dafür benötige die mittelständische Branche aber auch verlässliche Perspektiven für international wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller stellte der Branche auf dem Fachkongress "Maschinenbau 2010" mehr politische Unterstützung bei Auslandsprojekten in Aussicht. Die größten Wachstumschancen sehe er in Asien.

Rekord bei Firmenpleiten

Die konjunkturelle Talfahrt schlägt sich auch in einem neuen Rekord bei der Zahl der Firmenpleiten nieder. Wie der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) am Donnerstag in Berlin mitteilte, werden dieses Jahr über 33 000 Unternehmen den Gang vor den Insolvenzrichter antreten müssen. Das bedeutet eine Steigerung um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Alle 15 Minuten muss in Deutschland ein Unternehmen dichtmachen," sagte Verbandspräsident Ulf Giebel. Durch die Betriebsschließungen gehen in diesem Jahr über eine halbe Million Arbeitsplätze verloren, über 60 000 mehr als im Jahr 2000.

Auch die Summe der Insolvenzschäden erreicht dieses Jahr ein neues Rekordniveau: Auf rund 70 Milliarden Mark nicht zurück gezahlter Schulden bleiben die Gläubiger sitzen. Der wichtigste Grund für die hohe Zahl der Pleiten ist die konjunkturbedingt schlechte Auftragslage. Dies geht aus der aktuellen Herbstumfrage des Verbandes hervor. Weitere häufige Ursachen sind danach momentane Liquditätsengpässe aufgrund noch offener eigener Forderungen und zu geringe Eigenkapitalreserven. Für das kommende Jahr malen die Inkassounternehmen ( Vgl. Lexikon ) ein noch düstereres Bild.

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