Wirtschaftskrise : Weniger Miese trotz Krise

Von wegen Krise. Immer weniger Menschen tappen hierzulande in die Schuldenfalle. Das belegt der diesjährige Schuldenatlas, den die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf vorlegte. Das gilt auch für Berlin.

David C. Lerch
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Düsseldorf - Von wegen Krise. Immer weniger Menschen tappen hierzulande in die Schuldenfalle. Das belegt der diesjährige Schuldenatlas, den die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf vorlegte. Zum Stichtag 1. Oktober 2009 waren demnach in Deutschland knapp 6,2 Millionen Menschen überschuldet. Das sind 680 000 Menschen weniger als im Vorjahr und zugleich die niedrigsten Werte seit fünf Jahren. Im Durchschnitt belaufen sich die fälligen Verbindlichkeiten auf 36 900 Euro. Auch in Berlin sank die Zahl der überschuldeten Personen um knapp zwei Prozentpunkte gegenüber 2008 auf 360 000.

Als überschuldet gilt, wer seine monatlichen Ausgaben auf absehbare Zeit nicht bezahlen kann und durch mindestens drei Mahnungen von Gläubigern aufgefallen ist. Das gab es 2009 weniger als in den Jahren zuvor. „Die Situation hat sich entspannt“, erklärte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl am Mittwoch. Das liege vor allem daran, dass die Wirtschaftskrise auch dank der Kurzarbeit noch nicht in voller Wucht auf dem Arbeitsmarkt angekommen sei. Die Arbeitslosigkeit gilt als vornehmlicher Auslöser für überschuldete Haushalte. Entsprechend pessimistisch fällt Rödls Ausblick aus: „2010 ist ein merklicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten, der deutlich mehr Menschen in den Schuldensumpf reißen könnte“.

Derzeit helfen offenbar auch die niedrigen Lebenshaltungskosten dabei, Schulden loszuwerden. Besonders die Preise für Energie und Lebensmittel liegen unter dem Niveau der Vorjahre. Und es wird gespart. „Es kommt vor allem in Ostdeutschland zu vermehrtem Konsumverzicht zugunsten eines deutlichen Abbaus der Verschuldung“, sagt Rudolf Martens vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Das scheint zu funktionieren. Dem Schuldenatlas zufolge kamen die Ostdeutschen im vergangenen Jahr schneller aus den roten Zahlen als die Westdeutschen. In den fünf neuen Bundesländern ohne Berlin steckt aktuell rund eine Million Menschen in der Schuldenfalle oder etwas mehr als neun Prozent der Bevölkerung. Damit liegt 20 Jahre nach Mauerfall die Schuldnerquote in Ost erstmals niedriger als in West – wenn auch nur marginal.

Auch viele Berliner konnten in den vergangenen Monaten ihre Schulden zurückzahlen, doch verglichen mit anderen Regionen steht die Hauptstadt immer noch schlecht da. Nur in Bremen sind relativ gesehen mehr Einwohner überschuldet (siehe Grafik). Ohnehin fallen in Städten mehr Menschen mit Schulden auf als in ländlichen Regionen. „Einkommensarmut trotz sozialer Transferzahlungen ist eher in Ballungsräumen zu finden“, sagte Rödl. Dort sei es offenbar deutlich schwieriger, den Konsumanreizen zu widerstehen.

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