Wirtschaft : Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr ohne "Bizz"

Henrik Mortsiefer

"Fehler zugeben und Erwartungen prüfen" - die aktuelle Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Bizz" macht mit dem Top-Thema "Neuer Job: So gelingt Ihnen der Einstieg" auf. Für die 28 Redakteure der Print-Ausgabe des Magazins dürften die Tips der Kollegen schon bald sehr hilfreich werden: Gruner + Jahr stellt den Titel ein, der im März 1998 als Ableger von "Capital" zum ersten Mal erschien. Die Februar-Nummer wird die letzte sein. Erst im Oktober war das Heft nach einem Relaunch neu in Position gebracht worden. Doch die Emanzipation von "Capital" - das Marken-Logo verschwand vom "Bizz"-Titel -, ein Schnupperpreis von zwei Mark und kräftige Nachlässe für Anzeigenkunden halfen nichts.

Offiziell begründet wird das Aus für "Bizz" nun mit der schwierigen Marksituation. "Die Marktlage hat uns kalt erwischt", sagt Chefredakteur Thomas Voigt dem Branchendienst "Horizont". Damit steht "Bizz" freilich nicht allein da. Sämtliche Wirtschafts- und Börsen-Magazine kämpfen mit der Börsenflaute sowie sinkenden Auflagen und Anzeigenerlösen. Eine plausiblere Erklärung für das jähe Ableben von "Bizz" liefern die grundsätzlichen Probleme, die die zur Bertelsmann AG zählende Gruner + Jahr Wirtschaftspresse mit ihren Magazinen hat.

So rutschte nicht nur die verkaufte Auflage von "Bizz" binnen zwölf Monaten von 141 700 auf zuletzt 118 000 Hefte ab (erstes Quartal 2000: 167 300). Vor allem die Gruner + Jahr-Titel "Börse Online" und "Capital" mussten starke Auflageneinbußen hinnehmen. Besonders dramatisch verlor "Börse Online": Von 263 800 verkauften Heften im dritten Quartal 2000 sind ein Jahr später nur noch 189 800 übrig geblieben. Da nimmt sich der Einbruch bei "Bizz" noch bescheiden aus. Dennoch konnte die Entwicklung des jungen Titels die Verlagsmanager nicht zufrieden stellen. "Die Anzeigenbuchungen für das erste Halbjahr 2002 hätten Bizz keine wirtschaftliche Perspektive gegeben", sagte Verlagsleiter Matthias Grossmann am Freitag. Nach Informationen des "Kress-report" kostete das Magazin den Verlag insgesamt 15 Millionen Euro. Grossmann bestätigt lediglich, dass "die Erlöse deutlich unter Plan lagen". Die avisierte Steigerung im Einzelverkauf auf 30 000 bis 40 000 Einheiten blieb bis zuletzt ein kühner Traum. Im Anzeigengeschäft sackte man im vergangenen Jahr auf 615 verkaufte Seiten - 36 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Vernetzung zum Online-Angebot "bizz.de" und zum bei Pro Sieben ausgestrahlten "Bizz TV" brachten den Durchbruch nicht.

"Uns war klar, dass Bizz noch keinen herausragenden Markenkern hat. Es war unklar, für was Bizz eigentlich steht", hatte Chefredakteur Voigt, gleichzeitig Chefredakteur beim G + J-Magazin "Impulse", Ende Oktober zum Relaunch erklärt. Daran, so legt die Einstellung von "Bizz" nahe, hat sich bis heute nichts geändert. Das neue Motto "Wirtschaft erleben" kam bei der attraktiven Zielgruppe von 4,2 Millionen gebildeten Lesern zwischen 20 und 39 Jahren nicht an. Vor die Wahl gestellt, entweder einen der drei Traditionstitel oder die jüngste Verlags-Kreation vom Markt zu nehmen, entschied sich Gruner + Jahr für das zwei Jahre alte "Bizz". In der Branche wird nun auf den Termin gewettet, an dem das angeschlagene Magazin "Capital" von der 14-täglichen Erscheinungsweise zum Vier-Wochen-Rhythmus zurückkehrt.

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