Wirtschaftsminister bei Kaiser's : "Ich würde Gabriel als Kanzler nehmen"

Nach der Rettung von Kaiser's wird Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf die Weihnachtsfeier eingeladen. Er wird gefeiert, teilt aber auch aus.

Jens Tartler
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel neben dem Betriebsratsvorsitzenden Volker Bohne vor einem Kaiser's Tengelmann Lager.
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel neben dem Betriebsratsvorsitzenden Volker Bohne vor einem Kaiser's Tengelmann Lager.Foto:Jutrczenka/dpa

Sigmar Gabriel hat es mal wieder eilig. Schon eine Viertelstunde vor der Zeit ist er in Berlin-Mariendorf. Aber die Inszenierung ist noch nicht fertig. Während vor dem gigantischen Warenlager der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann der Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne rund 30 Arbeiter in der feuchten Kühle zusammentreibt, sitzt der Wirtschaftsminister 300 Meter entfernt in seinem gepanzerten Audi A8 – mit laufendem Motor.

Vor dem Eingang des Lagers heben zwei Gabelstapler ein Transparent in die Höhe, auf dem steht „Danke Minister Gabriel & BMWi“. Das Kürzel, das nicht jeder Kaiser’s-Verkäuferin geläufig sein dürfte, steht für das Bundeswirtschaftsministerium. Dort hieß es auf die Frage, warum Gabriel nochmals ein Statement zur Rettung von Kaiser’s abgeben muss: „Er wollte es unbedingt.“

Als Gabriel aus seiner Limousine steigt, sich von den Arbeitern beklatschen lässt und ein wenig Smalltalk macht, stellt er das etwas anders dar: „Herr Bohne hat mich eingeladen zur Weihnachtsfeier – aber erst, als er gesehen hat, dass die Klage zurückgezogen wird.“ Das war am Donnerstag geschehen. Rewe hatte seine Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf gegen Gabriels Ministererlaubnis zurückgenommen. Durch die Klage hatte Rewe die geplante Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka blockiert. Jetzt teilen sich Rewe und Edeka die Filialen des defizitären Konkurrenten Kaiser’s auf. Allein für die Läden in Berlin zahlt Rewe 37 Millionen Euro.

„Die wichtigste Entscheidung der letzten drei Jahre“

„Das war für mich die wichtigste Entscheidung der letzten drei Jahre“, sagt Gabriel vor dem Logistikzentrum in die Fernsehkameras. „Wir haben nicht wie bei Schlecker damals zugeschaut, wie die Arbeitsplätze verloren gehen.“
Betriebsratschef Bohne, mit langen Haaren, Ohrringen und Lederjacke optisch ein deutlicher Kontrast zu Gabriel, ist immer noch ganz euphorisch: „Wir haben uns immer gesagt: Wir haben keine Chance, aber wir nutzen sie. Wir haben alles durchgemacht, haben dran geglaubt. So lange es nicht schief ging, haben wir weiter gekämpft.“

Jetzt aber ins Warme. In der Kantine sitzen die Kollegen schon an Tischen mit Tannenzweigen, Cola und Lebkuchen. Gabriel setzt sich dazu und macht einen Scherz über eine dankbare Kaiser’s-Mitarbeiterin: „Sie ist die einzige hier, die an Politiker glaubt.“

Ganz ohne Ironie sagt dagegen ein Manager ins Mikrofon: „Ich glaube, dem Minister müssen wir Dank entgegenbringen. Er hat dafür gesorgt, dass wir mit Arbeitsplatzsicherheit ein schönes Weihnachtsfest haben.“ Höflicher Applaus.

Reden kann Gabriel eindeutig besser. Diese für ihn so typische Mischung aus Attacke und Pathos liefert er auch den Kaiser’s-Leuten frei Haus. Er mokiert sich über die Ökonomen und Juristen, zum Beispiel im Kartellamt und in der Monopolkommission, die Gabriels Ministererlaubnis abgelehnt hatten, weil sie eine Abschwächung des Wettbewerbs und damit höhere Preise für die Kunden befürchtet hatten. „Die verdienen fünf bis acht Mal so viel wie eine Kaiser’s Tengelmann-Verkäuferin, aber sie können sich nicht in Menschen hineinversetzen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben.“

"Berühren lassen vom Schicksal anderer Menschen“

Ganz anders er, Gabriel. Er sei in die Politik gegangen, um anderen Menschen Risiken abzunehmen. „Gerade in diesen unruhigen Zeiten muss man zeigen, dass sich Engagement für die Demokratie lohnt.“ Er habe zwei Kinder, demnächst hoffentlich drei, auch ein Grund für seinen Einsatz. „Man muss sich manchmal auch berühren lassen vom Schicksal anderer Menschen.“

Ob er sich im Januar auch darum bewerben wird, als Bundeskanzler für andere Menschen zu wirken, sagt der SPD-Chef an diesem Freitag erwartungsgemäß nicht. Die Stimme von Kaiser’s-Betriebsratschef Bohne hätte er schon mal: „Wenn ich die Auswahl hätte, würde ich ihn nehmen – auf jeden Fall eher als die Merkel.“

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