Wirtschaft : Wirtschaftsminister Müller klagt über Plastikblumen und unfreundliche Kellner als Standortnachteile

Der Tourismusstandort Deutschland ist nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller zwar gesund und stabil, weist aber auch einige Qualitätsmängel auf. Während des 2. Tourismustages der SPD-Bundestagsfraktion sagte er am Montag in Leipzig, Deutschland tue sich noch immer schwer mit der Beseitigung dieser Mängel. Unhöfliches Bedienungspersonal ohne Fremdsprachenkenntnisse vermindere die Konkurrenzfähigkeit im Vergleich zum Ausland. Auch die im Gastgewerbe beliebten Plastikstühle, -tischdecken und -blumen seien nicht attraktiv.

"Graffitiverschmierte Wände und Brückenpfeiler werden touristisch erst dann interessant, wenn sie - wie in Pompeji - 2000 Jahre alt sind", sagte der Minister in einem zuvor verbreiteten Redemanuskript. Müller appellierte an die Tourismusunternehmen, -verbände und die Gewerkschaften, an diesen Mängeln zu arbeiten.

Trotz aller Sparzwänge seien im Bundeshaushalt 1999 die Mittel für die Tourismuswirtschaft um fünf Mill. Mark aufgestockt worden. Die Bundesregierung habe sich beispielsweise finanziell an einem Wettbewerb zur Qualitätsverbesserung der Campingplätze beteiligt oder auch ein Projekt zur Förderung des Fahrradtourismus in Deutschland unterstützt. Die Steuerreform der Bundesregierung komme auch dem Tourismusgewerbe zugute.

Neue Berufe in der Branche wie Kaufmann für Touristikmanagement oder Dienstleistungskaufmann müssen nach seinen Worten neu geschaffen werden. Müller forderte die 18 000 deutschen Reisebüros auf, noch mehr als bisher das Internet als Terrain für Präsentation und Verkauf zu nutzen.

Trotz dieser Kritikpunkte geht es der Branche, in der einer Studie zufolge mittlerweile 2,8 Millionen Menschen arbeiten, nach Einschätzung Müllers nicht schlecht: "Die Übernachtungszahlen steigen stetig und kräftig." Allein im ersten Halbjahr 1999 seien sie um 5,3 Prozent gestiegen, was nahezu eine Verdopplung der letztjährigen Wachstumsrate bedeute. Die mit Abstand höchsten Steigerungsraten habe es in den neuen Ländern, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, gegeben.

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