Wirtschaftsministerin Zypries besucht Reisekonzern : Flixbus fürchtet die Fernbus-Maut

Nach dem Boom wächst der Markt nur noch gering. Marktführer Flixbus baut daher sein Geschäft in Europa aus. Doch nun droht eine Rückkehr der Fernbus-Maut auf die politische Agenda.

Oliver Voss
Brigitte Zypries (SPD) trifft André Schwämmlein, Gründer und Geschäftsführer von Flixbus.
Brigitte Zypries (SPD) trifft André Schwämmlein, Gründer und Geschäftsführer von Flixbus.Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Es sind beeindruckende Zahlen, die Flixbus-Chef André Schwämmlein am Montag Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) präsentierte: Drei Millionen Passagiere beförderte das Fernbusunternehmen im Gründungsjahr 2013. Drei Jahre später waren es schon 30 Millionen. Zypries besuchte den Berliner Standort des Unternehmens am Alexanderplatz, wo Flixbus 400 seiner inzwischen 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

Und Schwämmlein kündigte weitere Wachstumspläne an: 40 Millionen Passagiere will Flixbus in diesem Jahr befördern. Dazu wird das Netz weiter ausgebaut. So sind von Berlin jetzt auch Stockholm und Oslo direkt erreichbar, zudem fährt Flixbus 50 neue, kleinere Städte in Deutschland an. Das größere Wachstumspotenzial gibt es aber in Europa. So will Flixbus demnächst in Dänemark und Schweden nationale Netze wie in Deutschland aufbauen. „In den nächsten ein, zwei Jahren werden wir die östlichen Nachbarländer erschließen“, sagte Schwämmlein.

Flixbus hat 91 Prozent Marktanteil

Denn hierzulande hat sich der Fernbus-Boom 2016 abgeschwächt. Die Zahl der Fahrgäste stieg laut Statistischem Bundesamt nur noch moderat um 4,3 Prozent auf 24 Millionen. Marktführer Flixbus kommt inzwischen auf einen Anteil von fast 91 Prozent, gemessen an Fahrplankilometern. Nach der Übernahme von Mein Fernbus, dem Fernbusgeschäft der Post und dem Rückzug der Bahn aus dem Segment wurden doppelte Linien und Fahrten gestrichen. „Gleichzeitig steigt die Auslastung“, sagte Christoph Gipp, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Iges, dem Tagesspiegel. Signale dafür, dass Flixbus seine marktbeherrschende Stellung ausnutze, gebe es nicht. „Der Wettbewerb funktioniert – mit der Bahn, dem Flugverkehr oder Mitfahrzentralen“, sagte Gipp. So gebe es auf der Strecke Berlin–Köln kaum noch Fernbusverbindungen, weil Ryanair hier zu Dumpingpreisen von zehn bis 15 Euro fliege. „Ryanair will damit Air Berlin schwächen, wir sind ein Kollateralschaden“, sagte Schwämmlein.

Auch die Bahn jagte Flixbus Kunden mit 19-Euro-Tickets ab – und erzielte 2016 selbst einen Fahrgastrekord. Zypries, die lange selbst im Aufsichtsrat der Bahn saß, äußerte jedoch Zweifel, ob die Billigstrategie nachhaltig sei. Bei den Preisen für Fernbustickets tut sich laut aktuellen Zahlen von Iges wenig. Lag der Kilometerpreis 2016 im normalen Preissegment bei durchschnittlich 9 Cent, kletterte er im zweiten Quartal 2017 auf 9,8 Cent.

Zypries: "Maut kann wieder ein Thema werden"

Ändern könnte sich das, falls die Maut auf den Fernbusmarkt ausgeweitet würde. Beim Zypries-Besuch war das die größte Sorge von Schwämmlein. Die Befürchtung ist nach Einschätzung der Ministerin nicht ganz unbegründet. Als die Liberalisierung begann, habe die Politik entschieden, die Busse von der Maut auszunehmen. „Jetzt, wo sie so groß sind, kann das wieder ein Thema werden“, sagte Zypries. Auch in ihrer Partei gebe es einige, die nach der Bundestagswahl das Thema Fernbus-Maut gern wieder auf die Agenda setzen würden.

„Wenn die Maut kommt, müssen wir Strecken einstellen“, warnte Schwämmlein. Spielraum für Preiserhöhungen gebe es kaum. Die Marge liege unter zehn Prozent. „Wenn ich einen Euro auf die Tickets schlagen könnte, würde ich es machen“, sagte Schwämmlein. Zypries ließ sich davon nicht beeindrucken. „Die Lkw-Speditionen haben auch überlebt“, entgegnete die Ministerin. Der Güterlastverkehr habe trotz Maut zugenommen.

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