Wirtschaft : Wirtschaftsprüfer belastet Bankvorstände

Vor dem Untersuchungsausschuss Bankgesellschaft erneuert Achim Walther seine Anschuldigungen

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Berlin (dr). Achim Walther, der Wirtschaftsprüfer, der bereits 1997 auf die unkalkulierbaren Risiken bei der zur Bankgesellschaft gehörenden IBG hingewiesen hatte, hat am Freitag seine damaligen Warnungen und Vorwürfe bekräftigt. Vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Untersuchung der Affäre um die Bankgesellschaft sagte Walther, er habe bereits damals vor den Milliardenrisiken gewarnt.

Wäre das Gutachten von Walther damals ernst genommen worden, wäre ein großer Teil der späteren Immobilienfonds der IGB wohl nicht mehr aufgelegt worden. Doch insbesondere die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften BDO und Athur Andersen hielten damals dagegen. Die Bankgesellschaft hat deshalb inzwischen Schadenersatzklagen gegen mehrere beteiligte Wirtschaftsprüfungsunternehmen angekündigt.

In seinem Gutachten habe er sich 1997 im wesentlichen mit drei Punkten beschäftigt, sagte Walther. Das waren die bis dato noch nie dagewesene steuerliche Konstruktion der Fonds, die ungewöhnlich langen Mietgarantien und die Rückgabemöglichkeiten für die Fondszeichner sowie „bestimmte Organisationszustände in der IBG“.

Walther erklärte auf Befragen, er sei 1997 zum Teil vom damaligen Aufsichtsratschef der IBG Ulf-Wilhelm Decken und zum Teil vom damaligen IBG-Geschäftsführer Manfred Schoeps mit seinen Untersuchungen beauftragt worden. Die Initiative sei sicherlich von Decken ausgegangen, er habe dann aus formalrechtlichen Gründen auch auf einem schriftlichen Vertrag bestanden. Dieser sei von der Geschäftsführung der IBG unterzeichnet worden. „Nur Herr Decken kann auf mich zugekommen sein“, so Walther. In einem Telefongespräch Ende Juni 1997 habe Decken ihm erklärt, er wolle mehr Klarheit in Bezug auf die Risiken bei der IBG und habe ihn gefragt, ob er den Auftrag übernehmen wolle. Heute bestreite Decken, diesen Auftrag gegeben zu haben. Das Gutachten habe er erst 1999 zu Gesicht bekommen.

Nachdem er seinen Bericht in dreimonatiger Arbeit fertig gestellt habe, habe es eine „ungewöhnlich kurze“ Abschlussbesprechung gegeben. Teilnehmer waren unter anderem Christian Lauritzen als Berater der IBG, Jürgen Quehl als Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und Thies Eggers für Athur Andersen. Warum kein Vertreter der Geschäftsleitung der IBG anwesend war, konnte Walther nicht erklären.

Das Gespräch habe jedoch keine Annäherung der unterschiedlichen Standpunkte gebracht. Wenig später sei ihm in einem Brief, mitgeteilt worden, dass „ich den Auftrag wohl falsch verstanden habe“.

Walther bekräftige vor dem Ausschuss, einen Fall wie die Fonds der IBG „hat es in der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Mietgarantien von 25 Jahren seien absolut unüblich gewesen. Bis dahin üblich seien in der Branche Mietgarantien von fünf Jahren gewesen, die zudem von „in der Regel ziemlich vermögenslosen GmbHs“ abgesichert wurden. Walther gab auf Befragen zu bedenken: „Welchen privaten Anbietern hätten denn die Anleger eine 25-jährige Mietgarantie abgenommen, die hätten doch gelacht.“ Bei der IBG aber habe die öffentlich-rechtliche Landesbank Berlin dahinter gestanden. „Nur mit der Autorität der Landesbank konnte die IBG solche Fonds platzieren“, so Walther.

Walther bemängelte am Freitag erneut, dass bei der IBG „gewisse Schwierigkeiten bei der Datenermittlung“ bestanden hätten. Die organisatorischen Abläufe seien unzureichend gewesen. „Es war und ist nicht möglich, diese Risiken (der Fonds) zu ermitteln“, präzisierte Walther. In seinem Bericht habe er ausdrücklich erklärt, dass er beispielsweise den Jahresabschluss für 1996 nicht für testierungsfähig gehalten habe.

Keine Begründung gab Walther für sein langes Schweigen. Erst im Frühjahr 2001, „als die Dinge bei der Bankgesellschaft unter der Überschrift Landowsky hochkochten“, habe er erst an den damals Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (im März 2001) und später auch an dessen Nachfolger Klaus Wowereit (im November 2001) geschrieben. Er habe dies aus staatsbürgerlichem Interesse getan. Dass Diepgen nicht antwortete, verwunderte Walter nicht, schließlich sei dieser ja wenig später aus dem Amt geschieden. Dass sich Wowereit nicht meldete, überraschte den Wirtschaftsprüfer dann doch sehr, „schließlich war es unschwer zu erkennen, dass es sich um eine nicht unwesentliche Nachricht handelt“.

Zuvor hatte der Ausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung den einstigen Controller des IGB-Konzerns, Günter Rache, vernommen. Dabei hätten sich verblüffende Erkenntnisse über die Tätigkeiten des IGB-Vorstandsassistenten Engelbert Maus ergeben, sagte der Vorsitzende Klaus Uwe Benneter säter vor der Presse. Maus hatte die Aussage am Morgen überraschend verweigert.

Der Untersuchungsausschuss will nun die Wortprotokolle der Zeugenanhörung an die Staatsanwaltschaft geben. Darin gäbe es sicherlich Erkenntnisse für eine neuerliche Prüfung.

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