Wirtschaft : Wirtschaftsranking: Berlin - Vergebene Chancen

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Es ist wahrlich keine positive Performance, die die Wissenschaftler der Bundeshauptstadt Berlin in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre bescheinigen konnten. Nicht nur, dass Berlin im Gegensatz zu allen westdeutschen Bundesländern keine Zugewinne im Erfolgsindex erreichen konnte. Die Tatsache, dass die Hauptstadt nicht noch tiefer als auf Platz 14 abgerutscht ist, hat sie nur dem Umstand zu verdanken, dass die ostdeutschen Länder ebenfalls Punktverluste hinnehmen mussten. Im Ergebnis muss festgehalten werden, dass Berlin - genau wie alle anderen Bundesländer im Osten Deutschlands - keine nachhaltigen Erfolge aus dem wiedervereinigungsbedingten Boom der frühen neunziger Jahre ableiten. Und es tröstet kaum, dass es einzig die Strahlwirkung der Hauptstadt in den so genannten Speckgürtel ist, die Brandenburg aus dem alles in allem pessimistischen Bild der neuen Bundesländer herausstechen lässt.

Leider ist es der Bundeshauptstadt auch in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die für westdeutsche Großstädte typischen Entwicklungsmuster nachzuvollziehen. Beispiel Beschäftigung: Der Arbeitsmarkt in Berlin ist nach wie vor von einer außerordentlich hohen Arbeitslosigkeit und einer für Stadtstaaten in Deutschland extrem niedrigen Erwerbstätigkeit geprägt. Allein im Bewertungsindex "Beschäftigung" liegt zwischen Berlin und Hamburg eine Differenz von sechs Punkten. Auch bei der durchschnittlichen Einkommensentwicklung verlor Berlin genau wie alle anderen Ostländer an Boden.

Dennoch: die Wissenschaftler sehen auch das Potenzial der Stadt. Regierungssitz und die zentrale Lage der Metropole mitten im um Osteuropa größer gewordenen Europa bilden einen "Grundstoff für eine junge dynamische Großstadt", urteilen die Experten. Um diesen Grundstoff allerdings auch nutzen zu können, mahnen sie die Entscheidungsträger der Stadt, beherzter als bisher ihre "unerledigten Hausaufgaben" zu machen und Reformen umzusetzen.

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