Wirtschaftsstandort : Investoren stehen auf Deutschland

Eine Ernst & Young-Studie zeigt: Der Standort Deutschland wird attraktiver und bewältigt die Krise besser als andere Länder.

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Gute Ausbildung. Ausländische Investoren schätzen das hohe Qualifizierungsniveau in Deutschland.
Gute Ausbildung. Ausländische Investoren schätzen das hohe Qualifizierungsniveau in Deutschland.Foto: Keystone

Berlin - Deutschland wird weltweit als Standort für Direktinvestitionen attraktiver. Aus Sicht internationaler Unternehmen ist das Land der führende Standort in Europa und ein Profiteur der Wirtschafts- und Finanzkrise, wie eine Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young bei 814 Unternehmen ergab. Weltweit kletterte Deutschland danach vom sechsten auf den fünften Rang. An der Spitze stehen China, Indien und die USA.

„40 Prozent der Unternehmen planen, in Deutschland zu investieren – im Vorjahr lag der Wert bei nur 31 Prozent“, sagte Ernst & Young-Experte Peter Englisch. Trotz Schuldenkrise im Euroraum nehme die internationale Wirtschaft (befragt wurden nur produzierende Unternehmen, keine Banken) den Standort Deutschland „unverändert positiv wahr“, sagte Englisch.

Die Favoritenrolle in Europa schlug sich 2009 bei der Zahl der direkten Auslandsinvestitionen noch nicht nieder. Der Standort rangierte noch hinter Großbritannien und Frankreich auf Platz drei. Negativ fällt die Bilanz vor allem bei der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze aus. Hier schneidet Deutschland im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern deutlich schlechter ab. 2009 ging die Zahl der im Zuge von Direktinvestitionen geschaffenen Stellen um 57 Prozent im Vergleich zu 2008 zurück. „Deutschland ist kein Land mehr, in dem arbeitsintensive Branchen Fuß fassen“, sagte Peter Englisch. Für Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung oder als Verwaltungsstandort werde das Land aber interessanter.

Pluspunkte sammelt der Standort bei ausländischen Investoren auch wegen der guten Infrastruktur (Telekommunikation, Verkehr), der Lebensqualität und der Qualifikation der Arbeitnehmer. Eine besonders gute Bezahlung – ein Argument, das gerne zur Rechtfertigung exorbitanter Gehälter in der Bankbranche bemüht wird – spielt hingegen für junge Führungskräfte aus dem Ausland eine untergeordnete Rolle. Deutschland habe eine größere Anziehungskraft für Talente, weil das Land ein stabiles soziales Umfeld, attraktive Arbeitgeber und die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung biete, sagte Englisch. „Auch die gute Stimmung bei der Fußball-WM 2006 hat im Ausland einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.“ Negativ fallen dagegen die Steuerbelastung und die vergleichsweise hohen Arbeitskosten auf. Insgesamt zeige sich an der Umfrage, dass Deutschland die Krise besser als andere bewältigt habe. Die Attraktivität bei Investoren sei ein Argument, warum Deutschland eine klare Führungsrolle in Europa einnehme. Die Aussichten für die Wettbewerbsfähigkeit bleiben günstig: 54 Prozent (Vorjahr: 37 Prozent) der im Auftrag von Ernst Befragten erwarten, dass Deutschlands Attraktivität in den kommenden drei Jahren zunehmen wird, nur neun Prozent (Vorjahr: elf Prozent) rechnen eher mit einer negativen Entwicklung.

Langfristig dürfte aber weltweit vor allem die Bedeutung der Schwellenländer steigen: „Vor allem China und Indien bieten das, was Investoren suchen: Große unerschlossene Märkte und damit erhebliche Wachstumspotenziale“, sagte Ernst&Young-Experte Englisch. „Da können die etablierten großen Industrienationen wie die USA und Deutschland nicht mithalten.“ Auch Mittel- und Osteuropa sowie Russland haben verglichen mit China oder Indien 2009 in der Gunst ausländischer Unternehmen verloren.

Zwar hat die Krise auch die deutschen Unternehmen 2009 hart getroffen, sie zählen aber nach wie vor in Europa zu den wichtigsten Investoren. In der Liste der Top 10 steht Deutschland hinter den USA auf Platz zwei, gefolgt von Großbritannien und Frankreich. Da Europa insgesamt als Investitionsstandort aber nicht mehr so attraktiv sei wie in der Vergangenheit, sei diese Position durchaus nicht garantiert, warnte Peter Englisch. „Vor allem die deutschen Mittelständler sind stark auf Europa fixiert – das kann in Zukunft ein Nachteil sein.“

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