Wirtschaft : Wirtschaftsstandort Ostdeutschland: "Nachwuchs besser ausbilden"

Mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund acht Prozent und mehr als 794 000 Beschäftigten gehört die IT- und Telekommunikationsbranche zu den am stärksten expandierenden Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden in diesem Sektor bereits 5,3 Prozent des gesamten Brutto-Inlandsproduktes erwirtschaftet. Von diesem Kuchen wollen sich auch die neuen Länder ein Stück abschneiden: Vor allem in der Internet-Ökonomie sehen die Ostdeutschen ihre große Chance.

"Die Schaffung zukunftsorientierter politischer Rahmenbedingungen ist die Voraussetzung, um IT-Unternehmen nach Sachsen-Anhalt und die übrigen neuen Länder zu locken", erklärte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) am Mittwochabend auf einer Podiumsdisskussion in Berlin. Doch gerade in einem so schnelllebigen Sektor sei es schwer, Entwicklungen zu lenken, betonte Tagesspiegel-Herausgeber Heik Afheldt. Deshalb müsse eine gesunde Basis für den jungen Markt geschaffen werden, vor allem an qualifizierten Arbeitskräften mangelt es. Dieser Zustand könne durch ein verstärktes Ausbildungsangebot verbessert werden, erklärte Hermann Kühnle, Geschäftsführer des Fraunhofer Instituts in Magdeburg. Aber auch bessere Freizeitmöglichkeiten können den Standort aufwerten und Spitzenkräfte anlocken. "Wichtigster Produktionsfaktor der Internet-Ökonomie sind qualifizierte Arbeitnehmer. Talente im IT-Bereich müssen daher mit einer erstklassigen Ausbildung gefördert werden", meinte auch Siegmar Mosdorf, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. "Die Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte könnte vom privaten Bildungsmarkt übernommen werden", schlug Höppner vor.

Auch die politischen Rahmenbedingungen sind noch nicht ideal. "Wir brauchen mehr Wagniskapital und eine stärkere Regulierung des Marktes, etwa in den Bereichen Softwarepatentierung und Wettbewerbsüberwachung", so Klemens Gutmann, Geschäftsführer eines IT-Dienstleisters aus Magdeburg. Die Förderung durch Bund und Länder müsste zudem optimiert und besser koordiniert werden.

Höppner sieht indes schon einige Standortvorteile der ostdeutschen Bundesländer. "Wir haben schon eine relativ moderne Infrastruktur und viele Leute die sich inzwischen auf Neues eingestellt haben", sagte er,"wir müssen nun daran arbeiten, dass diese Ressourcen auch genutzt werden." Die Verwaltung des Landes Sachsen-Anhalt soll mit gutem Beispiel vorangehen: Viele Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen könnten in Zukunft unbürokratischer und damit schneller über das Internet abgewickelt werden. In diesem Bereich müsse Sachsen-Anhalt schnell handeln, um sich einen Standortvorteile gegenüber den übrigen Bundesländern zu sichern, betonte der Ministerpräsident.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben