Wirtschaftsstandort : US-Firmen stehen auf Deutschland

Der Standort Deutschland wird immer attraktiver für Unternehmen aus Übersee. Trotzdem sehen die Firmen immer noch Reformbedarf hierzulande.

Berlin - Deutschland wird für US-Firmen von Jahr zu Jahr attraktiver. Inzwischen kann sich der Wirtschaftsstandort sogar mit den aufstrebenden Ländern Mittel- und Osteuropas messen, wie eine aktuelle Umfrage unter 71 großen US-Unternehmen in Deutschland ergab. 55 Prozent der befragten Verantwortlichen in den Firmen gaben demnach an, dass sich die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland im vergangenen Jahr verbessert haben. Im Vorjahr waren es 53 Prozent gewesen. 2004 sogar nur 36 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen eine dramatische Veränderung in der Wahrnehmung des Standorts“, sagte Christian Veith, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, die die Umfrage gemeinsam mit der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland durchgeführt hat, am Dienstag in Berlin.

Auch im Vergleich mit anderen Ländern und Regionen innerhalb Europas holt Deutschland auf. Lag Deutschland 2006 bei der Beurteilung als Investitionsstandort noch hinter Osteuropa und Großbritannien, konnte im vergangenen Jahr Großbritannien eingeholt und der Abstand zu Mittel- und Osteuropa deutlich verringert werden (siehe Grafik). „Die US-Firmen schätzen inzwischen wieder die Qualität und Zuverlässigkeit, die in Deutschland in jeder Hinsicht geboten wird“, erklärte Veith. Viele Unternehmen hätten aber auch feststellen müssen, dass die Rahmenbedingungen in den aufstrebenden Ländern Mittel- und Osteuropas nicht immer denen entsprächen, die erwartet würden. Das gestiegene Vertrauen in den deutschen Standort beruhe auch darauf, dass im vergangenen Jahr drei Viertel der US-Unternehmen in Deutschland ihre Umsätze steigern konnten, erklärte Veith. Zudem seien in nahezu jeder zweiten Firma Arbeitsplätze geschaffen worden.

Für 2008 seien die Unternehmen noch optimistischer, hieß es weiter. Laut Umfrage rechnen 81 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr mit weiter steigenden Umsätzen. 38 Prozent wollen mehr Arbeitsplätze anbieten und die Hälfte der befragten Unternehmen will mehr investieren. Die neuen Arbeitsplätze soll es vor allem im Marketing sowie im Vertrieb, aber auch in Forschung und Entwicklung geben. Dagegen wollen 45 Prozent der US-Firmen ihre Verwaltung in Deutschland eher verkleinern.

Trotz der Attraktivität Deutschlands sehen die Unternehmen weiterhin Reformbedarf in Deutschland. Zwar hätte es Verbesserungen etwa durch die Unternehmensteuerreform gegeben, aber 27 Prozent der Befragten wünschen sich eine stärkere Deregulierung des Arbeitsmarktes. Etwa gleich viele halten die Schaffung von mehr Chancen für Wirtschaftswachstum für sehr bedeutend. Dagegen spielt die Höhe der Personalkosten eine geringere Rolle als in der Vergangenheit. ysh

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