Wirtschaft : Wirtschaftsstimmung in Japan hellt sich deutlich auf

TOKIO . Im rezessionsgeplagten Japan hat sich das wirtschaftliche Klima deutlich aufgehellt. Wie die Zentralbank in ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht feststellte, schätzten im Juni große wie kleine Unternehmen ihre Lage merklich weniger pessimistisch ein als noch drei Monate zuvor. Für September gehen sie von einer weiteren Verbesserung aus. An der Tokioter Börse löste der Bericht allerdings keinen steilen Kursanstieg aus: Die Umfrageergebnisse waren von Experten im allgemeinen erwartet worden. Der Nikkei-Index legte aber immer noch um 1,1 Prozent zu.

Die wachsende Zuversicht der Unternehmen ist vor allem auf die massiven Konjunkturpakete der Regierung sowie die Niedrigzinspolitik der Zentralbank zurückzuführen. Andererseits erklärten Nippons Firmen, ihre Investitionen für Fabriken und Ausrüstungen im bis März 2000 laufenden Geschäftsjahr erneut zu drosseln. Experten erwarten daher keine schnelle Erholung der privaten Nachfrage, die zu 60 Prozent zur wirtschaftlichen Leistung Japans beiträgt, und warnen vor einer weiterhin instabilen Verfassung der japanischen Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund wollen Regierung und Zentralbank des Landes vorerst an der Strategie festhalten, die fiskal- und geldpolitischen Schleusen offen zu halten. Die Regierung kündigte dem Parlament für Donnerstag die Vorlage eines Nachtragshaushalts für das laufende Finanzjahr mit einem Volumen von rund 520 Mrd. Yen, umgerechnet acht Mrd. DM, an. Damit will sie sicherstellen, daß der Effekt ihrer Belebungsmaßnahmen im ersten Quartal 2000 nicht wieder verpufft.

Unterdessen verkaufte die Notenbank am Montag japanische Yen gegen Dollar. Dies wurde von der Notenbank in Tokio auch bestätigt. Anlaß ist offenbar die Sorge, daß ein - infolge der jüngsten positiven Signale - zu stark steigender Yen-Kurs die Hoffnung auf Erholung der Konjunktur wieder zunichte machen könnte.

Zum Stimmungsumschwung beigetragen haben offenbar auch die jüngst von der japanischen Regierung veröffentlichten Konjunkturergebnisse für das erste Quartal. Demnach war die zweitgrößte Wirtschaft der Welt erstmals nach eineinhalb Jahren wieder gewachsen, und zwar überraschend stark um 7,9 Prozent (auf Jahresbasis). Dies sorgte dafür, daß sich die Stimmung in den Firmen aufhellte. Dem nun veröffentlichten "Tankan"-Quartalsbericht der Notenbank zufolge war der sogenannte Diffusionsindex der großen Industriebetriebe - er spiegelt deren Konjunkturerwartung wider - im Juni um zehn Punkte auf minus 37 gestiegen. Das bedeutet, daß auf 100 Betriebe, die ihre Aussichten positiv sehen, nur noch 137 Firmen kommen, die mit einer Verschlechterung rechnen. Im April waren es noch 147 gewesen. Das ist die deutlichste Verbesserung seit fast fünf Jahren.

Auch unter den von der langen Rezession am schwersten getroffenen kleinen und mittelgroßen Industrieunternehmen des Landes stieg der Index - wenngleich nicht ganz so stark - auf minus 46 von zuvor minus 53. Die Zahl der Pessimisten ist also hier von 153 auf 146 gesunken. Auch im nicht produzierenden Sektor fiel die Stimmung deutlich weniger pessimistisch aus als noch drei Monate zuvor.

Der von der japanischen Notenbank alle drei Monate erstellte "Tankan"-Report zum Geschäftsklima gilt als der wichtigste "Frühindikator" für den weiteren Konjunkturverlauf in Japan. Er wird weltweit stark beachtet. Der "Tankan"-Report ist eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht. Detailliert beantworten rund 9400 Unternehmen Fragen nach Lagerbeständen, Zwischengewinnen oder zu erwartenden Verlusten sowie zu Investitions- und Personalplänen. Anhand eines sogenannten Diffusions-Indexes wird die Einschätzung der Unternehmen über ihre Geschäftslage bemessen. Die Notenbank erstellt den Bericht seit über 40 Jahren.

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