Wirtschaftswachstum : Aufschwung lässt auf sich warten

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird vorerst mäßig bleiben. Davon sind führende Institute überzeugt. Am Dienstag stellten sie ihre Prognosen vor.

Berlin - Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird vorerst mäßig bleiben. Davon sind führende Institute überzeugt, wie sie am Dienstag in ihren neuen Prognosen erklärten. „Wir sind von der Klippe abgestürzt, liegen am Boden und krabbeln jetzt auf allen Vieren wieder hoch“, sagte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. „Mit einem Wiedererreichen des Vorkrisenniveaus ist selbst bei günstiger Wirtschaftsentwicklung nicht vor 2012 zu rechnen“, urteilten seine Kollegen vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institut HWWI.

Für das kommende Jahr erhöhten beide Häuser aber ihre Erwartungen angesichts der Belebung. Das Ifo-Institut rechnet nun mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, das HWWI geht von 1,5 Prozent aus. In diesem Jahr dürfte die Summe der produzierten Waren und Dienstleistungen um fast fünf Prozent eingebrochen sein. Die Wende sei aber schneller gekommen als von vielen erwartet, erklärte das HWWI.

Dass die Lage noch immer labil ist, zeigt eine neue Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW. Dessen Konjunkturerwartungen, ermittelt durch die Befragung von rund 200 Finanzexperten, sanken im Dezember um 0,7 Punkte auf 50,4 Punkte. Das war der dritte Rückgang in Folge. „Damit gehen die Experten weiterhin von einer langsamen Erholung der Wirtschaft aus“, kommentierte das ZEW die Umfrageergebnisse. „Wir sind nach wie vor in einem Rezessionstal“, ergänzte ZEW-Chef Wolfgang Franz, der auch den Rat der Wirtschaftsweisen leitet.

Aus diesem Grund warnte Ifo-Mann Sinn auch davor, die staatlichen Konjunkturprogramme zu früh zu beenden. Durch die milliardenschweren Hilfen sei ein noch schlimmerer Einbruch verhindert worden. In der weiterhin labilen Lage gebe es zu der Staatsverschuldung noch keine Alternative. „Wir können nicht aufhören mit dem Schuldenmachen im nächsten Jahr, weil wir dann die Wirtschaft abwürgen würden.“ Es sei besser, der nächsten Generation Schulden zu hinterlassen als einen Scherbenhaufen. brö/dpa

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