Wirtschaftswachstum : Aufschwung mit gebremsten Schaum

Die deutsche Wirtschaft hat Fahrt aufgenommen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal um 0,4 Prozent. Das Plus fiel aber geringer aus, als angesichts der blendenden Unternehmensstimmung erwartet worden war.

Wiesbaden - Erstmals seit drei Jahren haben im ersten Quartal nicht nur die Exporte, sondern auch die Investitionen und der Konsum im Inland die deutsche Konjunktur angeschoben. Der schwungvolle Start bestätigt die Erwartungen der Volkswirte, nach denen die Konjunktur 2006 so stark wachsen wird wie seit sechs Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag meldete, hat die Wirtschaft die Stagnation zum Jahresende 2005 überwunden und legte im ersten Quartal real saison- und kalenderbereinigt um 0,4 Prozent zu.

Die führenden Forschungsinstitute rechnen für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent, die Bundesregierung erwartet 1,6 Prozent. Das wäre deutlich mehr als im Vorjahr mit einem Wachstum von - nach neuesten Zahlen - 1,0 Prozent. «Deutschland befindet sich auf einem ordentlichen Wachstumskurs», sagte Volkswirtin Elga Bartsch von Morgan Stanley.

Volkswirte hatten mehr erwartet

Die Dynamik von 0,4 Prozent im ersten Quartal enttäuschte aber die Volkswirte, die mehrheitlich 0,6 Prozent prognostiziert hatten. Die niedrige Industrieproduktion und der geringe Beitrag des Außenhandels im März hatten das Wachstum zuletzt gebremst. Im ersten Quartal haben laut Statistik die starken Exporte weiter die Wirtschaft angeschoben. Die Unternehmen investierten mehr als zuvor, und erstmals belebte sich überraschend auch der private Konsum.

Die neugewonnene Stärke der Konjunktur belegt der Vergleich zum Vorjahr. Gegenüber dem ersten Quartal 2005 erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt um 2,9 Prozent und damit so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Allerdings verzerrten drei zusätzliche Arbeitstage - unter anderem wegen des späten Termins der Osterfeiertage - das Ergebnis. Bereinigt um diesen ungewöhnlich hohen Kalendereffekt wuchs die Wirtschaft um 1,4 Prozent, meldeten die Statistiker.

Privater Konsum deutlich gewachsen

Im Vorjahresvergleich habe vor allem die gestiegene Inlandsnachfrage für die Belebung der Wirtschaft gesorgt. Die privaten Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen seien deutlich gewachsen. Der Außenhandel habe dagegen nicht als Motor gewirkt, weil der Wert der Importe auf Grund steigender Ölpreise und der Aufstockung der Lager wuchs. Das Amt revidierte in seinen neuen Berechnungen die Zahl für das Wachstum 2005 von 0,9 auf 1,0 Prozent.

Die Wirtschaftsleistung wurde im ersten Quartal von 38,3 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die ausführlichen Daten gibt das Statistische Bundesamt am 23. Mai bekannt. (tso/dpa)

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