Wirtschaftswachstum : Berliner Kammern hoffen auf "goldenen Konjunkturherbst"

IHK und Handwerk legen ihren Konjunkturbericht für Berlin vor: Es gibt Wachstum – aber weniger als gedacht.

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Viel Licht. Besonders gut läuft es weiterhin für die Dienstleister in Berlin – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Touristen.
Viel Licht. Besonders gut läuft es weiterhin für die Dienstleister in Berlin – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Touristen.Foto: p-a/dpa/Marc Tirl

Berlin - Die Berliner Wirtschaft sieht Anzeichen für einen „goldenen Konjunkturherbst“. Jedenfalls bemühte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder dieses jahreszeitliche Bild, um Lage und Erwartungen in den Unternehmen der Hauptstadt zu beschreiben. „Unser Gefühl ist noch ein bisschen besser als beim letzten Mal“, sagte er bei der gemeinsamen Vorstellung des Konjunkturberichts von Berliner Industrie- und Handelskammer sowie Berliner Handwerkskammer am Freitag. Doch Gefühle sind keine Fakten: Weil die Geschäfte der Berliner Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres nicht ganz so gut liefen wie gedacht, senkten die Kammern nun ihre Konjunkturprognose für 2013. Statt 1,4 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wie noch im Frühjahr lassen sie sich nun nur noch auf die eins vor dem Komma festlegen. In jedem Fall werde man auch in diesem Jahr das Bundesland mit dem höchsten Wachstum sein, bekräftigte Eder. Zum Vergleich: Für das gesamte Bundesgebiet hatten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute die Prognose in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Herbstgutachten von 0,8 auf 0,4 Prozent gesenkt. „Der Berliner Aufholprozess setzt sich fort“, konstatierte Eder.

Erstmals seit Anfang 2011 verbessern sich in dem halbjährlich veröffentlichten Kammer-Bericht alle vier Konjunkturindikatoren – Lage, Erwartungen, Beschäftigungspläne und Investitionspläne. Besonders gut läuft es demzufolge nach wie vor im Dienstleistungssektor und hier vor allem in der IT- und der Immobilienbranche. Die IT-Wirtschaft setze durch eine stetig zunehmende Zahl von Gründungen Impulse. Die Immobilienwirtschaft profitiere von der „ungebrochenen wirtschaftlichen Dynamik und dem starken Bevölkerungswachstum in der Stadt“, heißt es in dem Bericht. Dass die Geschäftslage zwar gut, aber schwächer sei als vor Jahresfrist, tue der Stimmung keinen Abbruch: Anders als 2012 rechnen die Kammern damit, dass das Wachstum diesmal nachhaltig sei und sich verstetige. Die große Nachfrage nach Häusern und Wohnungen in Berlin strahlt auch auf andere Wirtschaftssektoren aus.

Geradezu „sensationell“ sei die Lage im Bau, sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Die Betriebe brummen – gar nicht so sehr wegen der Neubauten, sondern vor allem weil an Altbauten viel zu renovieren und instand zu setzen sei. Verhalten beurteilen ihre Lage und die Aussicht hingegen der Handel und das Gastgewerbe. Dort ist auch die Bereitschaft, in den kommenden Monaten zu investieren, gering. Berlin sei eine Touristenstadt, sagte Eder, aber gerade deshalb sei der Wettbewerb beispielsweise im Gastgewerbe besonders hart. Hinzu komme, dass in den vergangenen Jahren mit vielen neuen Hotels bereits große Investitionen erfolgt seien, die sich in den kommenden Jahrzehnten erst einmal rechnen müssten.

Die Berliner Industrie rechnet damit, in Zukunft auf einem stabileren Wachstumspfad voranzukommen. Nicht zuletzt erwarten viele Unternehmen wieder bessere Absatzchancen auf den Auslandsmärkten. „Die Durststrecke der letzten zwölf Monate, als die Nachfrage nach Industriegütern weltweit gesunken war, dürften wir hinter uns gelassen haben“, sagte Eder. Viele Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe fassten zusätzliche Investitionen ins Auge. Dennoch müsse der Senat mehr tun, um die Struktur zu verbessern, damit der Industrieanteil größer werde – mit etwa 14 Prozent (siehe Grafik) liegt er nur halb so hoch wie im Bundesschnitt.

Die insgesamt positive Stimmung hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. „Die Berliner Unternehmen suchen mehr Mitarbeiter als sie kriegen können“, sagte Jürgen Wittke. „Das wird so bleiben.“ Bleiben wird aber dennoch die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hohe Arbeitslosigkeit. Mit einer Quote von über elf Prozent ist Berlin über weite Strecken des Jahres Schlusslicht aller 16 Bundesländer. Man dürfe jedoch nicht vergessen, sagte Wittke, dass in den vergangenen Jahren 200 000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs in Berlin geschaffen worden seien. Doch durch die vielen Pendler – im Saldo seien es um die 100 000, die in der Stadt arbeiteten, aber außerhalb wohnten – bleibe die Zahl der Erwerbslosen statistisch groß.

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