Wirtschaft : Wirtschaftswachstum bleibt auch 2002 schwach

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Auch unter günstigen Bedingungen wird das deutsche Wirtschaftswachstum nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im kommenden Jahr lediglich bei einem Prozent liegen. Voraussetzungen hierfür seien ein erfolgreicher Kampf gegen den Terror und eine moderate Tarifpolitik, erklärte das den Arbeitgebern nahe stehende Institut am Mittwoch in Köln. "Sollte es anders kommen, wird sich die wirtschaftliche Erholung verschieben, schlimmstenfalls ist dann für 2002 mit einer Stagnation zu rechnen", heißt es in der IW-Prognose.

Allerdings halten die Experten des Instituts die Ein-Prozent-Vorhersage für wahrscheinlicher. Im Einzelnen rechnen sie mit einer Exportsteigerung um drei Prozent, mit einem Einfuhrplus von 3,5 Prozent, einer weiteren Schrumpfung der Bauinvestitionen um ein Prozent und mit einem preisbereinigten Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen um 3,0 Prozent.

Auch der Mittelstand sieht die Konjunktur- und damit die eigene Geschäftsentwicklung zunehmen skeptischer. Nur noch ein Drittel der Mittelständler rechnen mit anhaltend guten Umsätzen. Dies ergibt sich aus der jüngsten Mittelstandsumfrage der DZ- Bank, die Chef-Volkswirt Michael Heise gestern vorlegte. Danach hat sich das Bild bei rund 2500 befragten Mittelständler seit dem Frühjahr deutlich eingetrübt. Trotz der Flaute am Arbeitsmarkt ist der Fachkräftemangel im Mittelstand immer noch so gravierend, dass einzelne Unternehmen Aufträge nicht annehmen können.

Die Einschätzungen im Mittelstand - bei Betrieben mit einem Umsatz zwischen einer und 200 Millionen Mark und mit durchschnittlich 100 Mitarbeitern - haben sich der Untersuchung der DZ Bank zufolge zwar im Vergleich zum Frühjahr deutlich verschlechtert, von einer wirklich aufkommenden Krise kann nach Angaben von Heise aber keine Rede sein. Auch die DZ Bank rechnet mit einer kurzen Flaute und einer "ziemlich sicheren" Konjunkturwende im nächsten Jahr. Mittelständler, die ihren Umsatz vor allem im Export erzielen, sind aufgrund der weltweiten Konjunkturflaute und der Terroranschläge in den USA erheblich zurückhaltender. Logische Konsequenz der Skepsis ist auch eine wachsende Zurückhaltung der Mittelständler bei Investitionen. Im Frühjahr wollten noch 80 Prozent in den folgenden sechs Monaten größere Investitionen tätigen, jetzt sich es noch 70 Prozent. 22 Prozent der Unternehmen wollen im nächsten Halbjahr Jobs abbauen, nur 18 Prozent planen Einstellungen. Erstmals seit vier Jahren wollen nun auch mehr Betriebe im Westen abbauen als neue Jobs schaffen.

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