Wirtschaft : Wirtschaftswachstum: Duisenberg: Entwicklung insgesamt positiv

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, und Volkswirte deutscher Großbanken sind zuversichtlich, dass die Wachstumsabschwächung in der Euro-Zone und in Deutschland nur vorübergehend ist und sich in Grenzen hält.

Auch der Handelsblatt-Frühindikator sendet im März mit einer Stabilisierung bei 2,1 Prozent ein positives Signal. Da sich zudem das Handelsblatt-Ostbarometer leicht von drei auf 3,1 Prozent verbessern konnte, gibt es vorerst keine Anzeichen für eine Verstärkung der Konjunkturabschwächung in der ersten Jahreshälfte in Deutschland und einen sich danach selbstverstärkenden Abwärtsprozess. Der Quartalswert des Frühindikators prognostiziert für das erste Quartal eine Abschwächung des Bruttoinlandsprodukts in gleitender Jahresrate von 3,0 auf 2,2 Prozent. Positiv wirkte sich zuletzt die nochmals kräftig gestiegene Nachfrage vor allem nach Investitionsgütern aus.

Duisenberg sagte gestern vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europa-Parlaments, der Ausblick für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem und im nächsten Jahr im Euro-Raum bleibe trotz der leichten Wachstumsverlangsamung positiv. Der gestiegenen Unsicherheit über die weitere Entwicklung in den USA und in Japan stünden die positiven Effekte durch den Ölpreisrückgang gegenüber. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum werde zunehmend von binnenwirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Das Wachstum der privaten Investitionen und des Verbrauchs werde deshalb solide bleiben. Gegenwärtig gebe es keine eindeutigen Anzeichen für einen signifikanten und dauerhaften Ansteckungseffekt der US-Konjunkturschwäche auf die Euro-Wirtschaft.

Die Experten einiger großer deutscher Geschäftsbanken sehen bereits ein Ende des konjunkturellen Abwärtstrends in Deutschland. "Wir glauben, dass dieses Jahr das Wachstumstempo deutlich höher liegt als in der zweiten Hälfte des Jahres 2000", sagt Ralph Solveen von der Commerzbank. Er rechnet mit einem BIP-Anstieg im ersten Quartal um 0,4 Prozent und im zweiten um 0,8 Prozent jeweils zum Vorquartal. Für das Gesamtjahr prognostiziert Solveen zwei Prozent Wachstum.

Für Ulrich Beckmann von Deutsche Bank Research stellt das erste Quartal die Talsohle im Konjunkturverlauf dar. Er schränkt aber gleichzeitig ein: "Das ist eine Hoffnung. Sie würde unsere Erwartungen bestätigen. Aber konkrete Zahlen haben wir bisher kaum." Für das zweite Quartal 2001 erwartet Beckmann, dass die positiven Auswirkungen der Steuerreform spürbar werden. Nach dem Anstieg der Sparquote dürfte sich auch die Ausgabebereitschaft der Verbraucher wieder spürbar erhöhen.

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