Wirtschaftswachstum : IFW dämft deutsche Konjunkturerwartungen

Der Internationale Währungsfonds sieht die Wachstumschancen der deutschen Wirtschaft für dieses und das nächste Jahr eher verhalten. Inländische Experten sind dagegen optimistischer.

Berlin - Für 2007 rechnen die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,8 Prozent und im kommenden Jahr um 1,9 Prozent. Dies verlautete aus deutschen Regierungskreisen. Der IWF, der an diesem Mittwoch seine aktualisierte Prognose für die Weltwirtschaft offiziell vorlegt, ist damit pessimistischer als deutsche Konjunkturforscher und Bank-Volkswirte. Diese erwarten in diesem Jahr zumeist ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und mehr.

Das deutsche Staatsdefizit veranschlagt der IWF in diesem und im nächsten Jahr mit jeweils 1,3 Prozent des BIP. Die 2008 unveränderte Defizitquote begründet er mit der dann beginnenden Reform der Unternehmenssteuern und den damit verbundenen Einnahmeausfällen für den Staat. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) geht für 2007 von einem Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen von 1,2 Prozent des BIP aus. Für 2008 hat er nach der alten Finanzplanung vom vergangenen Sommer bisher 1,5 Prozent veranschlagt. Die Arbeitslosenquote wird nach Ansicht des IWF auf 7,8 Prozent in diesem und auf 7,6 Prozent im nächsten Jahr sinken. Im vergangenen Jahr sei Deutschland die "Hauptlokomotive in der Euro-Zone" gewesen.

"Sanfte Landung"

Die Perspektiven für die Weltwirtschaft sind Thema des IWF-Frühjahrsgipfels an diesem Wochenende in Washington. Davor treffen sich auch Vertreter der sieben führenden Industrieländer (G7). Der IWF erwartet den Angaben zu Folge 2007 eine "sanfte Landung" der Weltwirtschaft bei einem Wachstum von 4,9 Prozent. Es gebe zwar nach wie vor Risiken. Diese würden aber insgesamt geringer beurteilt als noch im September. Zu möglichen Risiken zähle der IWF nach wie vor die Energiepreise, wachsenden Protektionismus, Auswirkungen der US-Immobilienmarktkrise, ein "ruckartiges" Anpassen der globalen Ungleichgewichte sowie Schwankungen an den Finanzmärkten.

Das Wachstum der Weltwirtschaft sei inzwischen ausgeglichener. Den USA wird ein Erfolg beim Abbau des Defizits bescheinigt. Die Länder der Euro-Gruppe sowie Japan hätten die Binnenkonjunktur sowie Strukturreformen vorangetrieben. Das Wechselkurssystem in China wiederum sei "ein wenig flexibler", auch wenn hier weitere Schritte erforderlich seien. Bei den Treffen der G7 würden Währungsfragen natürlich eine Rolle spielen. Es seien aber "keine Überraschungen" zu erwarten. China werde bei den Gesprächen über die Weltwirtschaft "aus praktischen Gründen" nicht teilnehmen. In der Vergangenheit hieß es allerdings, dass derartige Debatten ohne die inzwischen viertgrößte Volkswirtschaft der Welt keinen Sinn mehr machten. China ist kein G7-Land. Der G7-Gruppe gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien an. (tso/dpa)

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