Wirtschaftswachstum : Industrie erwartet Ende des Aufschwungs

2009 wird die deutsche Wirtschaft wohl keine neuen Arbeitsplätze aufbauen Alle Zeichen zeigen nach unten, warnt BDI-Chef Schnappauf.

Stefan Kaiser

Berlin - Die deutsche Wirtschaft erwartet das baldige Ende des Aufschwungs. „Es zeichnet sich eine deutliche Wachstumsschwäche ab“, sagte Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), am Montag in Berlin. Nach dem konjunkturellen Hoch der vergangenen Jahre sehe man nun ein Tief heranziehen. Für 2009 rechnet der BDI nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent oder weniger. Im laufenden Jahr werde die deutsche Wirtschaft dagegen noch um gut zwei Prozent zulegen. Schnappauf forderte die Politik auf, mehr für das Wachstum zu tun.

„Summa summarum wird 2008 noch mal ein gutes Jahr werden“, sagte Schnappauf. Der Grundstein dafür wurde aber bereits im ersten Quartal gelegt, als die deutsche Wirtschaft überraschend stark mit 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen war. Im zweiten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dagegen nach Einschätzung der meisten Experten gesunken sein. So erwarten etwa die Volkswirte der Dresdner Bank ein Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet sogar mit bis zu 0,5 Prozent. Auch der BDI hält dies laut Schnappauf „durchaus für möglich“, verweist allerdings auf einen normalen Rückpralleffekt nach dem starken Wachstum zu Jahresbeginn. „Auf keinen Fall ist damit der Abschwung eingeläutet“, sagte Schnappauf. Vor allem die Industrie wachse und habe im ersten Halbjahr allein in den Branchen Maschinenbau, Auto- und Elektroindustrie mehr als 40 000 neue Jobs geschaffen.

Doch damit wird es bald vorbei sein. 2009 werde die deutsche Wirtschaft wohl keine neuen Arbeitsplätze aufbauen, fürchtet Schnappauf. „Im Grunde deuten alle Indikatoren auf eine deutliche Abschwächung der Wachstumsdynamik in 2009 hin.“ Die Auftragseingänge in der Industrie seien bereits jetzt rückläufig. In der Folge dürfte auch die Investitionsneigung der Firmen nachlassen, die die deutsche Wirtschaft bisher gestützt hat. Auch im Außenhandel erwartet der BDI einen deutlichen Rückgang. „Die Exportdynamik wird bereits in der zweiten Jahreshälfte nachlassen“, sagte Schnappauf. Ein Grund dafür sei der Ölpreis, der zuletzt auf rund 147 Dollar pro Fass (159 Liter) gestiegen war. „Wir erwarten keinen signifikanten Rückgang des Ölpreises“, sagte Schnappauf. Er werde eher weiter steigen oder zumindest auf hohem Niveau bleiben. Das belaste Unternehmen und Verbraucher.

Sollte der Ölpreis tatsächlich noch steigen, rechnen andere Experten mit weitaus schlimmeren Folgen. „Wenn der Ölpreis im kommenden Jahr bei 150 oder 160 Dollar läge, würde die deutsche Wirtschaft nur noch um ein Viertelprozent wachsen“, sagte Rolf Schneider, Leiter Volkswirtschaft bei der Dresdner Bank, dem Tagesspiegel. Stefan Kaiser

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