Wirtschaft : Wirtschaftswachstum: Konjunktur in Deutschland kühlt ab

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Die Zinssenkung in den USA sowie der unerwartet deutlich gefallene Ifo-Geschäftsklimaindex, der auf eine kräftige Konjunkturabschwächung in Deutschland hinweist, haben die Diskussion um eine mögliche Zinssenkung durch die Europäischen Zentralbank neu entfacht. Wie das Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte, ist der Geschäftsklimaindex für Westdeutschland im Februar auf 94,9 Punkte nach 97,5 Punkten im Vormonat gesunken. Der Index erreicht damit den niedrigsten Stand seit Juli 1999. Während einige Konjunkturexperten und Analysten sich für eine rasche Zinssenkung in Europa - möglicherweise schon in der kommenden Woche - aussprachen, gab es auch warnende Stimmung: Für eine "übereilte Aktion" bestehe kein Bedarf, sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, dem Tagesspiegel.

"Die Europäische Zentralbank macht eine Politik für Europa, nicht für Deutschland", sagte Walter. Trotz der jüngsten US-Zinssenkung liege das Zinsniveau in Europa noch immer unter jenem der USA. Zudem zeigten bislang nicht alle europäischen Staaten Schwächesignale. Doch dies könne sich ändern. "In den nächsten Wochen wissen wir mehr." Ähnlich argumentierte auch der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, Martin Hüfner: "Es besteht keine Notwendigkeit, der US-Notenbank unmittelbar zu folgen." Insgesamt sei die Konjunkturentwicklung in Europa und auch in Deutschland robuster als in den USA. Auch der jüngste Inflationsschub - im Februar stieg die Jahresteuerung in der Euro-Zone von 2,4 auf 2,6 Prozent - spreche derzeit eher gegen eine Zinssenkung. Dies könne aber eine temporäre Erscheinung sein. Hüfner hält deshalb eine Zinssenkung in Europa "bis Mitte April" für geboten. "Alle Indikatoren sprechen dafür." Auch an den Börsen wurde am Mittwoch mit einer Zinssenkung der EZB Anfang April gerechnet.

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Der Ifo-Geschäftsklimaindex fällt Noch am Dienstagabend hatte dagegen der Vizepräsident der Europäische Zentralbank, Christian Noyer, einen entsprechenden Schritt der EZB ausgeschlossen. Die wirtschaftlichen Aussichten für die Euro-Zone seien weiterhin positiv. Bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass sich die Abkühlung der Konjunktur in den USA wesentlich auf die Euro-Zone auswirke, sagte er.

Von einer Rezession in Deutschland will auch das Ifo-Institut, trotz der schwachen Ergebnisse des jüngsten Geschäftsklimaindex, nicht sprechen. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb machte deutlich, dass es sich in Deutschland zwar um einen möglicherweise mehrmonatigen deutlichen Konjunkturabschwung handle, aber keine Rezessionsgefahr bestehe. Grundsätzlich sei es denkbar, dass Ifo seine für 2001 bereits auf 2,4 Prozent reduzierte Wachstumsprognose für Deutschland weiter reduziert. Vor dem Gemeinschaftsgutachten der sechs Wirtschaftsinstitute, das am 10. April veröffentlicht wird, werde Ifo sich aber nicht detailliert äußern. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekräftigte derweil die Wachstumsprognose der Regierung von 2,6 bis 2,9 Prozent für 2001.

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank hat sich die Industrie in der Bundesrepublik zum Jahresbeginn trotz des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeldes gut gehalten. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe hätten im Dezember und Januar zusammen genommen um etwa 0,5 Prozent über dem Stand der Vormonate gelegen, heißt es in dem am Mittwoch vorgelegten Bundesbank-Monatsbericht. Doch habe die bereits seit dem dritten Quartal eingesetzte konjunkturelle Abkühlung sowohl bei den Realeinkommen der privaten Haushalte aber auch bei den Ertragsmargen der Unternehmen deutliche Bremsspuren hinterlassen, stellten die Volkswirte fest. Sie schlossen nicht aus, dass das deutliche Produktionsplus im Verarbeitenden Gewerbe im Januar möglicherweise nach unten revidiert wird.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht trotz der negativen Meldungen aus den USA und Japan nicht von einer Rezession aus. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde es weder in den USA noch weltweit zu einem wirtschaftlichen Absturz kommen, sagte IWF-Chef Horst Köhler in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit". Der IWF rechnet für 2001 mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,4 Prozent. 2000 hatte es 4,8 Prozent betragen.

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