Wirtschaft : Wirtschaftsweiser soll Bundesbank führen

Bundesregierung schlägt Axel Weber, Kölner Professor für Internationale Ökonomie, als Welteke-Nachfolger vor

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Berlin (asi/fo/mot/dpa). Die Bundesregierung wird dem Vorstand der Bundesbank den Kölner Wirtschaftsweisen Axel Weber als neuen Präsidenten der Notenbank vorschlagen. Die am Dienstagabend getroffene Entscheidung soll unmittelbar nach der Kabinettssitzung an diesem Mittwoch in Berlin bekannt gegeben werden.

Der Wirtschaftswissenschaftler, der als ausgewiesener Experte in Fragen der nationalen und internationalen Geldpolitik gilt, ist seit zwei Jahren Mitglied des fünfköpfigen Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Fünf Weise“). Weber hat den Lehrstuhl für Internationale Ökonomie an der Universität Köln inne. Seit dem Jahr 2000 sitzt der renommierte Ökonom auch im wissenschaftlichen Beirat der Bundesbank. Eine bestimmte wirtschaftspolitische Orientierung oder gar parteipolitische Präferenzen werden Weber nicht nachgesagt.

In Regierungskreisen hieß es, mit Weber sei bewusst ein Kandidat außerhalb der Politik als Nachfolger des am vergangenen Freitag zurückgetretenen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke ausgewählt worden. Welteke war über die so genannte Adlon-Affäre gestolpert. Er hatte sich Silvester 2001 von der Dresdner Bank anlässlich der Euro-Bargeldeinführung für vier Tage in das Berliner Luxushotel Adlon einladen lassen.

Der parteilose Weber soll bereits zugesagt haben, sich für das Amt des Bundesbank-Präsidenten nominieren zu lassen. Er selbst wollte auf Anfrage zunächst keine Angaben machen. Als mögliche Welteke-Nachfolger galten bislang neben dem Vizepräsident der Bundesbank, Jürgen Stark, und den Staatssekretären Caio Koch-Weser und Alfred Tacke auch der ehemalige Chef der genossenschaftlichen DZ-Bank, Bernd Thiemann, sowie das ehemalige Direktoriumsmitglied der Bundesbank, Gerhard Häusler.

Der in Bonn lebende Wissenschaftler Axel Weber begann seine universitäre Laufbahn 1982 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl „Geld und Währung“ an der Gesamthochschule Siegen. 1988 arbeitete er am Queen Mary College der Universität London und am „Center for Economic Research“ der Katholischen Universität Brabant im niederländischen Tilburg. Nach Forschungsjahren in den USA lehrte Weber an der Universität Bonn als Ordinarius (1994) für Wirtschaftstheorie und erhielt 1998 an der Universität Frankfurt den Lehrstuhl für angewandte Monetäre Ökonomie. Im November 2001 wurde er an die Universität Köln auf den Lehrstuhl für Internationale Ökonomie berufen. Während seiner akademischen Laufbahn erwarb er sich einen Ruf als Spezialist für Geldtheorie sowie für Geld- und Währungspolitik. Weber ist und war Berater sowie Autor zahlreicher Positionspapiere für die Europäische Zentralbank, die Europäische Kommission und das EU-Parlament. Im Sachverständigenrat löste der Ökonom im Jahr 2002 den als liberal geltenden Jürgen Donges ab.

Laut Bundesbankgesetz hat der Notenbank-Vorstand nun das Recht auf eine Anhörung des Kandidaten. Im Interesse des Amtes werde diese Anhörung „sehr rasch“ erfolgen, sagte ein Sprecher der Zentralbank am Dienstag. Akzeptiere der Vorstand die Personalvorstellungen der Regierung, ist dem Vernehmen nach ein weiterer formaler Beschluss des Bundeskabinetts geplant. Erst dann soll der Vorschlag Bundespräsident Johannes Rau (SPD) übermittelt werden, der die Ernennungsurkunde ausstellt. Im Paragraf sieben des Bundesbankgesetzes ist explizit geregelt, dass sich Präsident und Vizepräsident der Bundesbank durch „besondere fachliche Eignung“ auszeichnen müssen. Beide Positionen sowie die Ämter der Vorstandsmitglieder werden in aller Regel für acht Dienstjahre besetzt. Nur in Ausnahmefällen, können es auch fünf Jahre sein.

Der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe und Dresdner Bank, Michael Heise, sagte am Dienstag, die persönliche und fachliche Qualifikation des Bundesbank-Präsidenten müsse mehr noch als früher „über jeden Zweifel erhaben“ sein.

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