Wirtschaft : Wissenschaftler des DIW rechnen mit schwachem dritten Quartal - Arbeitsmarksituation ist "ungenügend"

Die deutsche Konjunktur ist nach vorläufigen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bislang weniger gestärkt, als erwartet wurde. Im zweiten Quartal dieses Jahres sei das reale Bruttoinlandsprodukt nach vorläufigen Berechnungen um ein Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte das DIW am Mittwoch in Berlin mit. Für das erste Halbjahr errechnet das Institut einen Zuwachs von 0,8 Prozent. Damit sei der Aufschwung geringer ausgefallen, als das DIW noch Mitte des Jahres erwartet hatte.

Nach Einschätzung des DIW bleibt auch die Entwicklung im dritten Quartal verhalten. Das Exportwachstum werde sich gegenüber dem zweiten Quartal abflachen, schreiben die Ökonomen in ihrem jüngsten Wochenbericht. Einen deutlichen Zuwachs erwarten die Wirtschaftsforscher hingegen beim privaten Verbrauch. Denn neben den Löhnen der Arbeitnehmer steigen auch die Renten doppelt so stark wie im Vorjahr. Am 1. Juli wurden die Renten in Westdeutschland um 1,34 Prozent und in Ostdeutschland um 2,79 Prozent erhöht.

Als ungenügend empfinden die Wirtschaftswissenschaftler auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Erstmals seit eineinhalb Jahren habe die Zahl der Erwerbstätigen im Quartalsvergleich wieder abgenommen. Besonders deutlich sei der Abbau von Arbeitsplätzen in den produzierenden Bereichen. Auch die Wirtschaftsleistung des produzierenden Gewerbes sei weiter gesunken. Allerdings habe sich der seit Herbst 1998 zu beobachtende negative Verlauf im vergangenen Quartal mit einer Minusrate von 0,4 Prozent verlangsamt.

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt sich hinsichtlich der weiteren Wirtschaftsentwicklung zurückhaltend. Das mittelständisch verarbeitende Gewerbe in den alten Bundesländern erwarte im zweiten Quartal weniger Absatz als im Vorquartal, teilte die KfW am Dienstag in Frankfurt mit. Dem hauseigenen Konjunkturindikator zufolge können nur 36 Prozent der Unternehmen mit mehr Umatz rechnen. Im ersten Quartal seien es noch 41 Prozent gewesen.

Als trostlos beschreibt der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) unterdessen die Stimmungslage im deutschen Großhandel. Einer Umfrage zufolge, die der BGA am Mittwoch in Berlin vorstellte, beurteilen 42 Prozent der befragten Unternehmen die Geschäftslage als schlecht oder sehr schlecht. Lediglich sechs Prozent bewerteten sie als gut, sagte BGA-Präsident Michael Fuchs. 50 Prozent stuften die Wirtschaftslage als befriedigend ein. Entsprechend erwarten 32 Prozent der Unternehmen einen steigenden Umsatz für 1999. Ebenso viele gingen allerdings von einem Rückgang aus. Eine spürbare Verbesserung erwarten die Unternehmen für das Jahr 2000.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben