Wissenschaftler Tao Wang : ''Chinas Bedarf nach Energie steigt weiter“

Tao Wang hat für das Tyndall-Center eine Studie über Energie und Klima in China vorgelegt. Inzwischen arbeitet er für den WWF in Peking. Das Land braucht Hilfe, um das Klima zu schützen.

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Foto: promo

In China geht jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz. Hat die Wirtschaftskrise dieses Tempo gemindert?



Die Investitionen sind schon vor Jahren beschlossen worden. Deshalb geht der Ausbau nicht nur der Kohlekraftwerke, sondern aller Kraftwerke ungebremst weiter. Die Wasserkraftleistung stieg im vergangenen Jahr um 15 Prozent, die der Kohlekraftwerke um sieben Prozent, und die der Windkraft hat sich verdoppelt. Der Stromverbrauch ist aber in der Krise um insgesamt zwei Prozent gesunken.

Wie groß ist der Energiebedarf Chinas, und wie kann er gedeckt werden?

Angesichts des Wachstums wird bis 2020 mit einer Verdopplung des Energiebedarfs gerechnet. Das muss aber nicht zu einer Verdopplung der Emissionen führen, wenn wir mehr Energie klimafreundlich erzeugen. Da gibt es verschiedene Entwicklungspfade, je nachdem, ob eine Technologie zur Abscheidung und unterirdischen Lagerung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage,CCS) zur Verfügung steht oder nicht, und welche Rolle der Atomenergie und den erneuerbaren Energien zugewiesen wird.

Gibt es Schätzungen, um wie viel teurer der Ausbau der Energieinfrastruktur für China wird, wenn sie klimafreundlich ausgebaut wird?

Es gibt Schätzungen eines chinesischen Ökonomen, der die Mehrkosten auf zwei- bis dreistellige Milliarden-Dollarbeträge beziffert. Das hängt davon ab, wie radikal man die CO2-Emissionen reduzieren will. Es hängt auch davon ab, wie viel Hilfe von Industriestaaten dafür zur Verfügung stehen wird.

Wie viel und welche Kooperation braucht China, um einen klimafreundlichen Pfad zu wählen?

Es gibt interessante Felder zur Kooperation, die nicht nur für China interessant sind. Eines davon ist CCS, denn Länder wie China, Indien, die USA und Deutschland werden auch weiterhin hohe Anteile von Kohle in ihrer Energieerzeugung behalten. Deshalb ist CCS für diese Ökonomien sehr wichtig. Wichtig sind zudem Effizienztechnologien, zumal sie oft auch Kosten sparen. China hat sich zum Ziel gesetzt, die Energieeffizienz bis 2010 um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu erhöhen und hat gute Chancen, das auch zu erreichen. Bisher richtet sich die Politik aber nur auf die Schwerindustrie aus, indem ihr spezifische Zielsetzungen vorgegeben worden sind. Das wird etwa 300 bis 450 Millionen Tonnen CO2 jährlich einsparen. Insgesamt werden durch die Effizienzinitiative 1,5 Milliarden Tonnen CO2 jährlich eingespart. Ich sehe aber auch große Potenziale bei Gebäuden, Elektrogeräten und im Verkehr.

Tao Wang hat für das Tyndall-Center eine Studie über Energie und Klima in China vorgelegt. Inzwischen arbeitet er für den WWF in Peking. Das Gespräch führte Dagmar Dehmer.

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