Wirtschaft : Wissenschaftsverlag Springer wird Kapitalgesellschaft

BERLIN (alf).Der Wissenschaftsverlag Springer, Berlin/Heidelberg, erwägt die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und daran anschließend möglicherweise den Gang an die Börse.Wie der Sprecher der Geschäftsführung, Claus Michaletz, am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz erläuterte, will der Verlag mit dem Schritt zu einer Kapitalgesellschaft das eigene Wachstum flankieren.In jedem Fall würden auch künftig die bisherigen Gesellschafter die Mehrheit halten; Anteilseigner des Wissenschaftsverlags sind die Erben Konrad F.Springer, Heinz Götze, Claus Michaletz sowie die Erben Joos.Eine mögliche Börseneinführung sei kein Thema für das laufende Jahr.Über den Einstieg Dritter oder gar eine Übernahme des Wissenschaftsverlags wollte der Geschäftsführer nicht spekulieren.Allerdings sei Springer "ein begehrtes Objekt" und "einer der letzten Verlage, der noch zu haben ist".Im Moment gebe es jedoch keine konkreten Gespräche mit Investoren.

Im vergangenen Jahr verfehlte der Verlag seine Umsatz- und Ertragsziele.Michaletz sprach von einem "eher durchwachsenen Geschäftsjahr".Unter anderem belastete die Krise in Asien mit einer Wertberichtigung auf Forderungen in Höhe von einer Mill.DM.Im Inland dämpften die Sparzwänge bei den Bibliotheken das Geschäft.Der Zeitschriftenabsatz hängt zu 80 Prozent, der Buchvertrieb zu rund 40 Prozent von den Bestellungen der Bibliotheken ab.Vor allem bezogen auf diesen Kundenkreis rechnet Michaletz mit einem unverändert "schwierigen Stammgeschäft".Die zu Beginn des Jahres von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten 80 Mill.DM für die Bibliotheken "sind ein Tropfen auf dem heißen Stein, der ohnehin frühestens im Herbst ein wenig Dampf machen wird".Mit einer Stärkung des Zeitschriftengeschäfts sowie "mit elektronischen Zusatzangeboten" will Springer dennoch weiter wachsen: 1998 soll der Umsatz um acht Prozent steigen.

Im vergangenen Jahr erhöhte sich der Umsatz in der deutschen Verlagsgruppe aufgrund von Zukäufen um 4,4 Prozent auf 355 Mill.DM; geplant war ein Umsatzsprung um bis zu sieben Prozent, und zwar ohne Akquisitionen.Der Umsatz der internationalen Springer-Gruppe stieg um 9,6 Prozent auf 615 Mill.DM.Der Jahresüberschuß lag unter zehn Mill.DM.Dieses "unter den Erwartungen" liegende Ergebnis erklärte Michaletz mit hohen Anlaufkosten im Zuge der Übernahme des VDI-Buchprogramms und der Vertriebsrechte des amerikanischen Wissenschaftsverlags CRC.Insgesamt habe Springer im vergangenen Jahr rund zehn Mill.DM investiert, in diesem Jahr sind zwölf Mill.DM veranschlagt.

Die Springer-Gruppe beschäftigte Ende März 1619 Mitarbeiter, ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.Davon entfielen 279 auf den Springer-Verlag Berlin.Insgesamt gibt der Verlag gegenwärtig mehr als 400 Titel mit einer Gesamtlauflage von rund 500 000 in seinem wissenschaftlichen Zeitschriftenprogramm heraus.Gut 300 Zeitschriften sind inzwischen auch über das Internet verfügbar.Der Anteil von Zeitschriften und Anzeigen am Gesamtumsatz lag zuletzt bei 60 Prozent; auf Bücher (2381 Neuerscheinungen im vergangenen Jahr) entfielen 39 Prozent und auf elektronische Medien ein Prozent.Der Exportanteil lag bei 53 Prozent, wovon knapp 40 Prozent auf die USA entfallen.

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