Wirtschaft : WM 2006: Jubel über Zuschlag - Tourismusbranche und Bauwirtschaft erwarten Milliardeneinnahmen

Die deutsche Wirtschaft begrüßt die Vergabe der Fußball-WM 2006 an die Bundesrepublik mit einer La-Ola-Welle. Die Begeisterung ist in der Tourismusbranche und der krisengeschüttelten Bauwirtschaft besonders groß, wie eine Umfrage ergab. Für die Fans aus aller Welt stehen nach Verbandsangaben ausreichend Betten bereit. Bis 2006 soll fast jedes Hotel in Deutschland über das Internet buchbar sein. Bereits einige Jahre vor dem ersten Anstoß werden Milliarden-schwere Aufträge von den Bauunternehmen zum Neu- und Umbau von Stadien sowie zum Verschönern von Hotels erwartet.

Einnahmen von bis zu 1,5 Milliarden Mark erwartet die deutsche Tourismusindustrie von der WM. Nach einer Prognose der Deutschen Zentrale für Tourismus werden zwischen 850 000 und eine Million ausländischer Besucher anreisen. Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von zehn Tagen gebe jeder Gast rund 1500 Mark für Unterkunft, Transport, Verpflegung und Eintrittskarten aus. "Daraus ergibt sich ein Gesamtvolumen von Ausgaben ausländischer Besucher zwischen 800 Millionen und 1,5 Milliarden Mark", heißt es beim Verband. Rund 12 000 Hotels warten in Deutschland auf die Fußball-Fans. Die Branche sei "ohne weiteres in der Lage", alle WM-Gäste zu beherbergen, teilte der Hotelverband Deutschland in Bonn mit. Es gebe in allen potenziellen Austragungsstätten ausreichend Unterkünfte "jeder Größenordnung und Qualität". Zudem würden bis 2006 auch neue Hotels gebaut. Die Hotellerie sei auch wegen der Weltausstellung Expo auf Großveranstaltungen aller Art vorbereitet.

Für die Baubranche sei das eine erfreuliche Entscheidung", sagte eine Sprecherin von Philipp Holzmann in Frankfurt. Die Branche könne eine Belebung dringend gebrauchen. Wann sich die Entscheidung für Deutschland in den Auftragsbüchern auswirke, sei offen. Zuerst müssten die Spielorte feststehen. Dann müssten die Kommunen Baupläne disponieren. Der Essener Baukonzern Hochtief erwartet ein steigendes Angebot an Projekten.

Die Sportartikelhersteller Adidas und Puma erwarten ebenfalls ein gutes Geschäft. "Die Fußball-WM wird dem Sportartikelmarkt deutliche Impulse geben", sagte ein Sprecher der Adidas-Salomon. Für die WM 2006 sei bereits der Vertrag für Bälle unterschrieben. Jetzt werde über weitere Sonderaktionen nachgedacht. Puma sieht die WM als Leistungsschau und gute Gelegenheit, um Team-Kollektionen, neue Schnitte und neue Materialien zu präsentieren. Die neuen Trikots und Schuhe der Profis würden aber auch von den Verbrauchern geschätzt und gekauft.

Die WM wird nach Einschätzung des deutschen Marktführers BBDO auch die Geschäfte der Werbebranche ankurbeln. Durch das Ereignis könnten die Werbeausgaben um mindestens zehn Prozent gesteigert werden, sagte BBDO-Geschäftsführer Ralf G. Neumann. Neben den klassischen Kanälen (TV-Spots, Anzeigen) würden Direkt- und Telefonmarketing eingesetzt. Mit Multimedia und dem interaktiven Fernsehen könnten zusätzlich weitere Werbeformen entwickelt werden. Angesichts der zu erwarteten Werbeflut warnte er aber vor einer Übersättigung bei den Kunden.

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